Trans4JAZZ Ravensburg & Weingarten

© Hans Bürkle

Von Christoph Giese. Energievoller hätte das diesjährige Trans4JAZZ-Festival kaum starten können. Die Urban-Brassband Moop Mama aus München sorgte mit der Hamburger Rapperin Älice im Konzerthaus von Ravensburg gleich mal für ausgelassene Stimmung und tanzende Beine. Daran konnte auch ein längerer Ausfall der Verstärkung von Gesang und Instrumenten nichts ändern. Da hüpft die Truppe eben einfach mal kurz runter von der Bühne und mischt sich unters Publikum. Rapperin Älice schnappt sich ein Megafon und weiter geht die Party mit soulig-funkigen Bläsersätzen und treibenden Beats von zwei Schlagzeugen. Lässiger Dancehall, Jazz, Funk, Soul und HipHop, alles schön zusammengerührt und mit den allerdings leider nicht besonders gut verständlichen Texten von Älice garniert – eine animierende Mischung.

Das gilt auch für den Auftritt von Salin. Die in Thailand geborene Schlagzeugerin Salin Cheewapansri und ihre sechsköpfige Band mischten in der Zehntscheuer einen eleganten, locker groovenden Sound aus Afrobeat, Jazz, Funk, Pop und Soul mit Klängen und Rhythmen aus dem Norden Thailands zusammen. Salin selbst agiert dabei als absolute Teamplayerin. Zurschaustellen des eigenen Könnens hat sie nicht nötig, denn ihre Band spielt wie eine bestens geölte Maschine auf, weil Salin im Maschinenraum unaufgeregt den Motor mit ihren Rhythmen rundlaufen lässt.

© Hans Bürkle

Das genaue Gegenteil ist Vincen García. Der spanische E-Bassist positioniert sich ganz vorn am Bühnenrand, nachdem er sich mit Musik und Sprüchen vom Band großspurig hat ankündigen lassen, während er und seine vier Jungs auf die Bühne schreiten. Show beherrscht er. Und klar kann er fantastisch und schnell Bass spielen, slappen und grooven wie Hölle. Aber seine zumeist rasende Funk-Jazz-Fusion erschlägt auf Konzertdauer. Auch weil alles ziemlich gleich klingt. Bassfreaks und Fans von Show-off-Soli kommen bei Vincen García auf ihre Kosten. Alle anderen werden sich eher mittelprächtig unterhalten gefühlt haben.

Den wahren Bandgedanken demonstriert einen Abend später Vincent Peirani. Der französische Akkordeonist hat schon vor knapp anderthalb Jahrzehnten das Quintett Living Being gegründet, eine Band, die mit Peirani selbst und Émile Parisien (ss) über starke Solisten verfügt, aber das Publikum mindestens genauso als Kollektiv auf klanglich vielfältige Musikreisen mitnimmt. Die bleiben nicht beim Jazz haften, sondern paaren Art-Rock-Power mit folkloristischen Anklängen und streifen in der „Bremain Suite“ gar munter durch die Popwelt mit Ohrwurmmelodien wie der von „Under Pressure“ von Queen und David Bowie oder Portisheads „Glory Box“, die das Quintett mit eigenen Improvisationen zu großem Musikkino verwebt.

Für den krönenden Abschluss sorgt die Norwegerin Mari Boine mit ihrem Trio. Mit Georg Buljo (g, voc) und Gunnar Augland (dr) taucht die samische Sängerin ein in die Tradition des Joikgesangs, die sie mit den aktuellen Problemen der Welt verknüpft. Boine prangert das Gift der Kolonisation an und beklagt den Umgang der Menschen mit der Natur. Das Konzert ist voller spiritueller Momente, verpackt in folkigen Tunes, die aber mit E-Gitarre auch mal rockig daherkommen, von mächtigen Trommelschlägen belebt werden. Weltmusik im besten Sinne, mit Tiefgang, mit berührenden Momenten, mit Botschaft. Eindrücklicher hätte das sympathische Festival nicht enden können.