© David Hotz

Sparks & Visions

Regensburg

Von Robert Fischer. Ohne Leidenschaft geht es nicht. Das beginnt bei der Veranstalterin des Jazzfestivals Sparks & Visions, Anastasia Wolkenstein, die in jeder ihrer Anmoderationen erkennen lässt, dass es sich nicht etwa um irgendwelche „Acts“ handelt, sondern um Künstler*innen, die ihr am Herzen liegen. Der Schwerpunkt ihrer Programmgestaltung liegt auf den eher leisen, intimen Auftritten, die von den Musizierenden wie vom Publikum eine hohe Aufmerksamkeit verlangen, in den meisten Fällen aber auch mit einem ganz besonderen Konzerterlebnis belohnen. Erwartbar gut war da gleich zum Festivalauftakt das Duo Fil mit der französischen Sängerin Leïla Martial und ihrem Landsmann, dem Cellisten Valentin Ceccaldi. Ein erster Höhepunkt gleich danach: der Soloauftritt des israelischen Pianisten Nitai Hershkovits, ehe das Quintett um den norwegischen Saxofonisten Marius Neset mit einem vor Energie und Virtuosität schier berstenden musikalischen Cabaret eindrucksvoll demonstrierte, dass das Theater Regensburg – seit 2023 Austragungsort des Festivals – nicht nur ein Ort der leisen Töne ist.

Was sich auch am zweiten Festivaltag zeigte, der von der solide groovenden Band des britischen Pianisten und Singer/Songwriters Reuben James beschlossen wurde, der Soul, Funk und R’n’B zu einer höchst clubtauglichen Melange vereinte. Musikalisch ergiebiger waren allerdings zuvor der Auftritt der japanischen Pianistin Makiko Hirabayashi mit ihrem an Saxofon, Bass und Schlagzeug exzellent besetzten Ensemble Weavers und als Einstieg in den Tag das Konzert der ungarischen Gitarristin Zsófia Boros und des schwedischen E-Bassisten Björn Meyer, das mit je einem Soloauftritt begann, bevor es in ein gemeinsames Duo mündete.

© David Hotz

Der letzte Tag besteht bei Sparks & Visions traditionell aus einer sonntäglichen Matinee, die oft die Gelegenheit bietet, wahre Sternstunden zu erleben. Eine solche war diesmal das von der serbischen Sängerin Jelena Kuljić zum Quartett erweiterte Trio Velvet Revolution mit Daniel Erdmann (sax), Fabiana Striffler (v) und Jim Hart (vib). Wie diese vier den Geist von Velvet Underground charmant und humorvoll zugleich neu belebten, hatte etwas Unwiderstehliches.

Zu guter Letzt konnte Anastasia Wolkenstein mit sichtlichem Stolz noch den ersten Auftritt einer US-amerikanischen Künstlerin auf ihrem Festival verkünden: Die Harfenistin Brandee Younger brachte mit ihrem sehr souverän musizierenden Trio Grammy-Glanz in das altehrwürdige Theater.

So weit, so gut also alles? Nun ja. Wer vor und nach den acht Konzerten an zweieinhalb inspirierenden Tagen durch Regensburgs schmucke Altstadt ging, dem konnten die in den Boden eingelassenen „Stolpersteine“ nicht verborgen bleiben, die an die Ermordung von Menschen während der Nazi-Diktatur erinnern. Was zugleich daran erinnert, wie sehr die zarten Pflänzchen Kunst und Kultur von autoritären Kräften bedroht sind. Sie zu bewahren, bedarf es wahrer Leidenschaft. Denn: Ohne sie geht es nicht.