Ystad Sweden Jazz Festival 

Ystad

Anna-Mia Barwe
& Sven Wickström © Anna Rylander

Von Angela Ballhorn. Wo Möwen gleich im Chor Open-Air-Konzerte kommentieren, eine Jazzparade durch die Altstadt zieht und immer eine sanfte Meeresbrise weht, findet das Jazzfestival im schwedischen Ystad statt. Im 17. Jahr seines Bestehens hatte der künstlerische Leiter Jan Lundgren zu 50 Konzerten auf 13 Bühnen eingeladen – 11.000 Besucher folgten seinem Ruf.

Gesang, Klavier und Big Bands waren Hauptakteure auf der Bühne. Eine Ausnahme bildete Kurt Rosenwinkels Band mit Seamus Blake am Saxofon. Einen der absoluten Höhepunkte des Festivals war der Auftritt des Bobo Stenson Trios. Zusammen mit dem Bassisten Anders Jormin und dem (viel mehr als nur) Schlagzeuger Jon Fält zelebrierte Stenson die Essenz des Jazz – Kommunikation, Risikobereitschaft, Neugier und Mut zur Stille. Dieser Auftritt gehört zu den Konzerten, bei denen man im Ystader Theater eine Stecknadel hätte fallen hören können.

Der künstlerische Leiter und Pianist Jan Lundgren eröffnete das Festival gemeinsam mit dem Kammerchor der Malmö Academy of Music. Die Vermischung von Chorstücken der Renaissance bis hin zu Béla Bartók mit Jazzelementen war über weite Strecken ein gelungenes Experiment. Eines der spannendsten Projekte war eine Adaption von John Coltranes A Love Supreme. Der dänische Mundharmonikaspieler Mathias Heise hat die Musik des Albums für die Danish Radio Big Band arrangiert. Die spirituelle Tiefe des Originalwerks ist zwar nur schwer umsetzbar, doch Heises Arrangements und Soloparts boten eine Vielzahl überraschender Klangfarben in der Instrumentierung und in den Bläsersätzen.

Camille Bertault © Harri Paavolainen

Unter dem Motto „Sweden loves Italy“ baute Jan Lundgren musikalische Brücken zwischen Schweden und Italien. Er lud den Saxofonisten Rosario Giuliani und den Drummer Roberto Gatto ein. Das Quartett begeisterte mit Adaptionen italienischer Filmmusik und schwedischer Volkslieder. Und die Liebe zwischen den beiden Ländern konnte sogar noch getoppt werden. Die brasilianische Legende Ivan Lins wollte gleich ganz nach Ystad ziehen. Das Abschlusskonzert seiner Europatournee dauerte fast zwei Stunden, und mit seiner fantastischen Band zelebrierte der Guest of Honour einen Querschnitt seiner unzähligen Hits.

Für mich waren Magnus Carlson & The Moon Ray Quintet die Überraschung des Festivals. Der Sänger ist in Schweden durch seine Band Weeping Willows sehr bekannt. Seine Adaptionen von unter anderem David Bowies „Where Are We Now?“ mit sparsamen, sehr originellen Arrangements für Vibrafon, Klavier, Trompete und Saxofon waren zum Wegträumen schön. Eigentlich sollte dieses Konzert vor dem Schloss Charlottenlund stattfinden. Aufgrund der lange unsicheren Ticketverkäufe wurden die Konzerte ins Theater verlegt und bereiteten dem Festival einen rauschenden Abschluss mit der Anders Berglund Big Band und der eingesprungenen Viktoria Tolstoy sowie abermals der Danish Radio Big Band mit dem US-Energiebündel Veronica Swift.

Das Ystad Festival bietet dem Nachwuchs eine Bühne, ein Kinderprogramm und vergisst auch das Publikum nicht, das dem Festival über viele Jahre die Treue gehalten hat und dem es nicht mehr möglich ist, zu den Konzerten zu kommen: Deshalb finden zwei Konzerte in Altersheimen statt.