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Mirna Bogdanović

„Ich folge einfach meinem Instinkt“

Die ersten beiden Alben von Mirna Bogdanović wurden mit dem Deutschen Jazzpreis ausgezeichnet. Nun steht die Sängerin, Komponistin und Bandleaderin mit ihrem dritten Album in den Startlöchern: Glimmerence. Und ganz unabhängig davon, ob sie auch dafür wieder einen Preis erhalten wird, ist das keine schlechte Bilanz für eine Mittdreißigerin, der schon früh attestiert wurde, „der neue Stern am Himmel des weiblichen Vocaljazz“ zu sein. Was möglicherweise ein Missverständnis ist.

Von Robert Fischer

Denn bereits mit ihrem Debütalbum Confrontation ging die musikalische Reise in eine deutlich artpoppigere Singer-Songwriter-Richtung – hin zu etwas, das in keine Stilschublade passt. Sie selbst sagt dazu: „Ich beschränke mich nicht gern auf bestimmte Genres. Ich möchte frei sein. Das ist die einzige Art für mich, Musik zu machen.“ Dass diese Haltung nicht nur Vorteile hat, wenn es ums Marketing geht, ist ihr bewusst: „Alle sagen immer: Wenn man irgendwo zwischen den Genres liegt, kann man seine Musik nicht so gut verkaufen. Und ja, das glaube ich irgendwie auch. Aber es ist mir nicht so wichtig. Ich folge einfach meinem Instinkt.“

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Das gilt auch für die Auswahl ihrer Mitstreiter: „Ich werde immer mit Jazzmusikern spielen. Daran besteht kein Zweifel. Und ich glaube auch, dass meine Musik nach wie vor viel mit Jazz zu tun hat, weil es darin immer genügend Raum für Improvisation gibt. Nicht zuletzt ist meine Musik auch aufgrund ihrer Komplexität – rhythmisch, harmonisch und überhaupt in allem, was darin passiert – immer noch sehr eng mit dem Jazz verbunden.“

In Sarajewo geboren, in Maribor aufgewachsen und seit 2012 in Berlin lebend, schreibt sie ihre Stücke in der Regel auf dem Klavier, spielt auf der Bühne wie im Studio aber meist Ukulele und Kalimba. Denn obwohl sie eine klassische Klavierausbildung hat, überlässt sie das Improvisieren auf diesem Instrument doch lieber einem langjährigen Mitstreiter wie Povel Widestrand, mit dem sie bereits in einer Klasse Musik studiert hat.

Für das aktuelle Album arbeitete sie erneut mit Wanja Slavin zusammen, der bereits ihr Debüt produzierte. Nach der Zusammenarbeit mit ihm befragt, gerät sie ins Schwärmen: „Ich glaube, Wanja ist ein musikalisches Genie. Und das würde ich wirklich nicht über viele Menschen sagen. Ich habe das Gefühl, dass alles, was er anfasst, magisch wird. Es ist ein großes Glück, mit ihm arbeiten zu können. Seine Vorstellungskraft ist einfach unglaublich. Auf solche Ideen wie er würde sonst niemand kommen.“

Aufgenommen wurde das Album wie sein Vorgänger Awake in den Berliner Hansa Studios. „Diesmal waren wir zweieinhalb Tage dort – zwei ganze Tage plus einen halben Tag für den Aufbau. Grundsätzlich haben wir alle gleichzeitig aufgenommen, mit Ausnahme von Wanja. Er war im Regieraum und hat dort die klassische Rolle eines Produzenten übernommen. Anschließend kümmerte ich mich um die Vocals, bearbeitete die Aufnahmen und korrigierte sie. Wanja übernahm das gesamte Sounddesign, spielte sämtliche Saxofonparts und alle Holzblasinstrumente sowie die meisten Synthesizerparts. Danach haben wir uns erneut getroffen und an der Postproduktion gearbeitet. Gemischt wurde das Ganze in New York von Seth Manchester.“

Die Texte schreibt sie wie die Musik in der Regel selbst, legt aber Wert darauf, sie von einer Muttersprachlerin durchsehen zu lassen. Dafür arbeitet sie mit Matilda Abraham zusammen, einer australischen, in Berlin lebenden Singer-Songwriterin. Inhaltlich begeben wir uns damit in ein „Theater der Emotionen“: „Glimmerence erzählt von Liebe und Illusion. Es geht um einen Moment, in dem sich etwas unglaublich real und wunderschön anfühlt, gleichzeitig aber auch instabil und vergänglich ist. Das Album bewegt sich in diesem emotionalen Leuchten – in Momenten von Verbundenheit, Hoffnung und Verlangen, die einen an etwas festhalten lassen, obwohl die eigene Intuition längst weiß, dass etwas nicht stimmt. Die Songs beschäftigen sich damit, wie berauschend und verwirrend dieses Gefühl sein kann und dass man irgendwann darüber hinauswachsen muss.“

In diesem Zusammenhang erklärt sie auch den Albumtitel Glimmerence: „Er setzt sich aus zwei Begriffen zusammen, ,glimmer‘ für ein schwaches, flackerndes Licht (etwas Schönes und Hoffnungsvolles, das aber noch keine klare Form hat und nicht stabil ist) und ,limerence‘. Das ist ein psychologischer Fachbegriff für eine besonders intensive, an Besessenheit grenzende emotionale Verliebtheit, die häufig von Idealisierung, Sehnsucht und Unsicherheit geprägt ist. Ein Zustand, der sich wie Liebe anfühlt, aber im Wesentlichen von Projektionen und emotionaler Abhängigkeit getriggert wird. Ich finde, das beschreibt das Album ziemlich gut.“

Dazu passt auch das letzte Stück auf Glimmerence, die einzige Coverversion des Albums: Chris Isaaks „Wicked Games“ ist in der von ihr im Duo mit dem Pianisten Povel Widestrand eingespielten Version zunächst kaum wiederzuerkennen, gewinnt aber nach und nach eine solche Dringlichkeit, dass man meint, den viel gehörten Welthit erst jetzt, in Mirnas musikalischer Welt, in seiner ganzen Schönheit zu erkennen.

Aktuelles Album:

Mirna Bogdanović: Glimmerence (Berthold Records / Cargo / Kontor)