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JazzChurFestival

Chur

Von Christoph Giese. Die Zugfahrt nach Chur dauert. Manchmal klappt es immerhin doch ganz gut mit der Deutschen Bahn. Dennoch, bis nach Chur mit dem Zug zu fahren, das muss man wollen. Das JazzChurFestival ist dafür jedenfalls ein guter Grund, lässt sich dort doch seit nunmehr sieben Jahren nachhören, was es so an frischen Klängen aus der Schweiz und Europa zu hören gibt. Der Verein JazzChur, der das Festival veranstaltet, serviert einem treuen Publikum jedes Mal interessante Künstler. Nicht alle muss man mögen, nicht immer zündet jedes einzelne Konzert. Aber das ist ja normal bei einem mehrtägigen Festival und überhaupt nicht schlimm. Luca Sisera, Rolf Caflisch und Anna Bläsi aber riskieren mit ihrer Programmation etwas. Es wird Gefälliges geboten, aber auch Anspruchsvolles. Wohlklang: gerne, aber nicht unbedingt.

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In die Kategorie Wohlklang passt das Nils Kugelmann Trio. Der deutsche Bassist und Namensgeber dieses Dreiers mit Luca Zambito (p) und Sebastian Wolfgruber (dr) ist derzeit ziemlich angesagt und hat mit seinem Trio den Bogen raus, wie man Klaviertrio-Jazz massenkompatibel spielt, ohne dabei beim musikalischen Anspruch Kompromisse einzugehen. Denn natürlich sind alle drei Musiker exzellent. Die Musik ist klasse, aber eben ohne große Überraschungen. Mehr Ecken und Kanten hatte da schon das Sheen Trio um die in Osnabrück lebende Klarinettistin Shabnam Parvaresh, das zwischen Jazz, Rock und Folklore spannend und energiegeladen tönte.

Beim Solokonzert des Tessiner Schlagwerkers Sheldon Suter herrschte dagegen eher eine meditative Stimmung. Wer brachiale Trommelgewitter erwartete, lag hier völlig falsch, denn Suter war mehr behutsamer Soundgestalter, und das gerne auch mal auf einer mit einem Bogen gestrichenen Zither. Ebenfalls solo in Chur unterwegs war die Wiener Kontrabassistin Helene Glüxam. Im vergangenen Jahr erhielt sie den Österreichischen Jazzpreis in der Kategorie „Best Newcomer“. Und dass sie was kann, zeigte sie bei der das Festival abschließenden Matinee am Sonntagmorgen. Ihre bisweilen mystischen, dunklen Kompositionen durchsetzt sie in ihrem Spiel – auch mal mit Bogen oder Klöppeln – mit Improvisationen, die sie mit ihrer hellen Stimme summend begleitet. Mal avantgardistisch angehaucht, mal dominiert von sehr schönen Melodien, zeigte die junge Österreicherin ihr vielfältiges Spiel auf dem akustischen Tieftöner.

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Was dem Festivalteam auch wichtig ist: dem talentierten heimischen Nachwuchs ein Podium zu geben. Dieses Mal durfte sich die junge Posaunistin Gloria Ryter mit ihrem Projekt Glo präsentieren. Gerade erst hat die Schweizerin den Abschluss ihres Musikstudiums hinter sich gebracht, und nun stand sie auf der Bühne mit ihrem Quartett bei ihrem ersten richtigen Konzert in dieser Besetzung. Poppig und groovig ist ihre Musik, aber noch fehlt den Klängen das gewisse Etwas. Für die Zukunft wünscht man der sympathischen Künstlerin ein wenig mehr Mut. Das JazzChurFestival zeigt diesen Mut bei der Zusammenstellung des Programms schon. Überhaupt ist der Verein JazzChur das ganze Jahr über sehr aktiv. Mehr als 100 Veranstaltungen organisiert man in der schönen Stadt, es werden mehrere Podcasts betrieben und eine Jazzschule für die Kleinen gibt es auch. Man hat Ideen in Chur, die Zukunft darf kommen.