© Bernhard Schinn

APPLAUS Muffathalle, München

Von Jan Kobrzinowski. Alle Augen bei der Verleihung der APPLAUS-Spielstättenpreise 2025 waren auf den neuen Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) gerichtet. Wie mochte sich der inmitten derjenigen schlagen, die weniger über Kultur reden, als sie zu ermöglichen? APPLAUS-Geldgeber Wolfram Weimer sah vielleicht gut aus, sagte aber eigentlich kaum etwas. Auch strotzten seine Worte nicht eben von profunder Kenntnis der Szene. Man könnte sogar sagen, der Mann redete sich heraus, und zwar mit wohlklingenden Floskeln. „Musikclubs sind ein wichtiger Teil der kulturellen Infrastruktur unseres Landes und das kreative Rückgrat der deutschen Populärmusikkultur“ – das war den meisten derer schon klar, für die in der Münchner Muffathalle die ersten paar Reihen reserviert waren, und zwar aus ihrer täglichen Praxis.

Kritische Bemerkungen waren dennoch kaum zu hören. Allenfalls leicht provokant erinnerte Moderatorin Gesine Kühne den Minister mehrfach an seine Pflicht, nach seiner Rede bitte noch zu bleiben, er müsse doch eh noch ein paar Mal auf die Bühne zur Übergabe der Hauptpreise. Fast besser als der BKM schnitt sein bayerischer Amtskollege, Wissenschaftsminister Markus Blume ab, zwar mit landesüblicher Hemdsärmeligkeit, scheinbar näher am Thema, dabei merkwürdig dringlich im Gestus. Dennoch: Fühlte man sich hier gesehen von „der Politik“ oder eher verarscht? Treten doch die Leute, die hier Preise verteilen, andernorts mehr für Rüstung zur Ankurbelung der Wirtschaft als für Kultur ein. Der Münchner Kulturreferent Marek Wiechers als lokaler Vertreter blieb eher blass und fasste sich ebenso kurz. Ihm hätte man mehr zugetraut. Ja, die Zeiten haben sich geändert: keine Claudia Roth, die mit flammenden Reden begeistert und ihre Verbundenheit mit der Clubkultur demonstriert. Der Münchner APPLAUS genoss auch nicht das Underground-Flair der Vorjahres-Veranstaltung in Rostock.

Dazwischen, irgendwie zwischen den Stühlen, steht die Initiative Musik, in deren Händen die Organisation des APPLAUS liegt. Sie gestaltete den Abend routiniert, reibungslos im Ablauf, mit vergnüglichen, manchmal auch wirklich anrührenden Beiträgen. Geehrt wurden 88 Spielstätten und Konzertreihen für ihre tägliche harte Arbeit an kreativer Programmgestaltung, für gesellschaftliches und soziales Engagement, und zwar trotz „Zeitenwende“ mit immer noch satten insgesamt 1,7 Mio. € Preisgeld. Im Rahmenprogramm gab es drei Live-Acts: die in München ansässige Sängerin Enji, das Kölner Punkrock-Quartett Grenzkontrolle und Vandalisbin, das rockige Projekt einer Münchner Schlagzeugerin. Beim anschließenden Get-together im Club Ampere genossen Preisempfänger*innen, Fachpublikum aus den Medien und Vertreter*innen des Musikbusiness vegane Köstlichkeiten, Drinks und DJ-Ambiente. Viele Gespräche drehten sich recht pragmatisch um die Frage, ob im nächsten Jahr noch Geld verteilt werden kann (wonach es im Moment aussieht).

Neben Hauptpreisen für das domicil in Dortmund und andere Große unter den Kleinen, wie das Neuburger Birdland, gab es auch Überraschungen. Das objekt klein a aus Dresden erhielt den Hauptpreis als „Beste Livemusikspielstätte“, „Beste kleine Spielstätte“ wurde die villaWuller in Trier. Auch in diesem Jahr standen die Themen Awareness, Inklusion und Nachhaltigkeit im Vordergrund. Und einige kleine rührige Vereine und ehrenamtliche Inis zur Bewahrung der experimentellen und Impro-Musikszene wie der Münchner Verein Offene Ohren, Zoglau 3 Raum für Musik in Taubenbach/Reut, oder die Aachener Gesellschaft für Zeitgenössische Musik freuen sich über die Anerkennung ihrer Arbeit.