Deutsches Jazzfestival Frankfurt

© Sascha Rheker

Von Stefan Michalzik. „Jazz Moves“ – für den Samstag, den letzten der drei Kernabende beim 56. Deutschen Jazzfestival im Sendesaal, hatten die Programmgestalter vom Hessischen Rundfunk erstmals einen Club, konkret JazzMontez, importiert, samt einem famosen Rund-um-die-Welt-DJ-Set der Londonerin Donna Leake in der Goldhalle, dem Foyer, ein junges Publikum im Blick. Im Saal Tischbestuhlung. Den Fusionjazz der 70er Jahre überschreibt das Trio um den Berliner Keyboarder Moses Yofee auf fulminante Weise mit Drum’n’Bass und Broken Beats. Nicht minder einnehmend der von HipHop durchwirkte Jazzfunk des aus Richmond, Virginia, stammenden Quintetts Butcher Brown, samt den Arrangements des Bassisten Andrew Randazzo für die Bläser der hr-Bigband.

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An den anderen Abenden indes sind ganz einfach größtenteils hochkarätige Positionen aufgeboten, unter dem ein Tangieren der Grenzen signalisierenden Gesamtmotto „Beyond“. Das Ideal einer Interaktion unter Gleichen treibt das Trio der französischen Trompeterin Airelle Besson, des Pianisten und Fender-Rhodes-Spielers Sebastian Sternal und des Schlagzeugers Jonas Burgwinkel auf lichte Höhen. Unerhört die technische Finesse Bessons, exzelliert wird in diesem Ensemble jedoch nicht. Zum neunzigsten Jahrestag der Vorstellung der Hammondorgel durch den amerikanischen Erfinder Laurens Hammond ist der Brite Kit Downes gemeinsam mit dem holländischen Altsaxofonisten Ben van Gelder als Gast bei der hr-Bigband eingeladen. Zuallererst als Pianist bekannt, führt Downes auf der Hammondorgel die von Jimmy Smith geprägte Tradition eines funky groovenden Sounds über sich selbst hinaus. Frappant der Reichtum an Klangfarben, den er dem Instrument abgewinnt.

Die Frankfurter Band Ragawerk um Max Clouth (g) und Martin Standke (dr) reichert die Indo-Fusion eines John McLaughlin mit seiner Band Shakti oder auch eines Volker Kriegel vor dem Hintergrund der Erfahrung der Popgeschichte der letzten Jahrzehnte um Drum’n’Bass & Co. an. Schier umwerfend derwischhaft der furiose Gastauftritt von Marja Burchard am Vibrafon. Zur Clubnacht an sechs Orten in der Stadt hatte das erstmals beteiligte F.I.M. (Forum Improvisierte Musik) ins Nebbiensche Gartenhaus zwei Cellistinnen und einen Cellisten eingeladen. Die in Bern ansässige Argentinierin Paula Sanchez, Sue Schlotte aus Darmstadt und der in Berlin lebende Portugiese Guilherme Rodrigues erschließen sämtlich ihrem Instrument eine geräuschhaft-klangliche Dimension, bei Rodrigues mit Momenten des Harmonisch-Melodiösen durchsetzt.

Als Höhepunkt in Erinnerung bleibt der Auftritt des Pianisten Joachim Kühn mit seinem French Trio, einer der nur noch ganz wenigen des 81-Jährigen. Im Trio mit dem Bassisten Thibault Cellier und dem Schlagzeuger Sylvain Darrifourcq sprühen wild die Funken; Kühn musiziert mit einer Eloquenz, die auch heute noch ihresgleichen sucht. Es ist ein bewegender Moment, wie dieser Ausnahmemusiker am Ende, nachdem er seine enge Verbundenheit mit dem Festival seit 1968 erklärt hat, sagt, dies könnte das letzte Mal gewesen sein.

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