European Jazz Conference 2026

Köln

© Niclas Weber

Von Thomas Kölsch. Wer sind wir und wofür stehen wir? Diese identitätssuchenden Fragen standen im Mittelpunkt der zwölften European Jazz Conference, die vom 24. bis 27. September erstmals in Deutschland, genauer gesagt in den Kölner Satory-Sälen, stattgefunden hat. Ausgerichtet vom Europe Jazz Network (EJN), einem Zusammenschluss europäischer Jazzfestivals und -spielstätten mit rund 200 Mitgliedsorganisationen aus 38 Ländern, suchten die Teilnehmenden in Podiumsdiskussionen und anderen Gesprächsformaten nach Antworten auf strukturelle und systemische Herausforderungen der modernen Zeit. Das Erstarken rechtspopulistischer Parteien überall auf dem Kontinent, ökonomische Verwerfungen und eine Gesellschaft, die zunehmend in den Tiefen der digitalen Welt zu versinken droht, beschäftigen Musikerinnen und Musiker ebenso wie Veranstalter – insbesondere da Jazz im Kern auf Freiheit und Diskurs setzt, auf Zuhören und auf Reagieren. Und das verträgt sich einfach nicht mit autoritären Strömungen.

© Janet Sinica

Dies betonte auch der britische Pianist Alexander Hawkins in seiner beeindruckenden und umjubelten Eröffnungsrede. Sorgfältig arbeitete er heraus, was für ein „Wir“ die Jazz-Gemeinschaft sein könnte, wie sich darin noch ein Platz für das individuelle „Ich“ finden lässt und wer eigentlich „Sie“ sind, diese anderen, von denen sich das „Wir“ abgrenzt. Sein Ziel: den bestmöglichen Nährboden für die Kunst an sich zu schaffen, einen, der gleichzeitig offen ist und robust gegen Störungen jedweder Art, in dem es nicht um Nationen geht, sondern um Imagination, und in dem Haltung gedeihen kann. „Manchmal müssen wir Widerstand leisten und Stellung beziehen“, sagte er. „Aber manchmal kann schon die Tatsache, dass man überhaupt ein Konzert auf die Beine stellt, ein deutliches politisches Statement sein.“

© Niclas Weber

Hawkins’ Impulse bildeten zugleich die Grundlage für ein Panel, bei dem das Motto der Konferenz („Who We Are, What We Stand For“) aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet wurde. Neben der ehemaligen Kulturstaatsministerin Nordrhein-Westfalens, Isabell Pfeiffer-Poensgen, nahmen Eric Birath (Künstlerischer Leiter des Fasching Jazz Clubs in Stockholm und Direktor des Stockholm Jazz Festivals), Shabnam Parvaresh (Leiterin des Morgenland-Festivals) sowie Daniel Zimmermann (ehemaliger Bürgermeister von Monheim) an der Diskussion teil. Dabei ging es auch um Sichtbarkeit und vor allem um Relevanz – denn genau die wird der Musik und insbesondere dem Jazz immer wieder abgesprochen, umso mehr, je stärker die politischen Rechten werden. „Das sollte uns Sorgen machen“, betonte Parvaresh. Am Ende stand ein klarer Aufruf: Macht weiter mit dem, was ihr tut, und macht es so gut wie möglich! Was das bedeutet, zeigten denn auch 13 Ensembles, die im Verlauf der Konferenz im Stadtgarten und dem dort angegliederten Club JAKI auftraten, darunter das Olga Reznichenko Trio, Rabih Lahoud’s Masaa und Evi Filippous inEvitable. Ein fester Bestandteil des Programms bleibt zudem die Verleihung der EJN Awards 2026, mit denen besondere Verdienste um die europäische Jazz-Infrastruktur gewürdigt werden. Dazu gehört auch der neu geschaffene Ukrainische Jazz-Preis, der an Hyphen Dash ging.

© Niclas Weber