Jazztage Leipzig

© Arne_Reimer

Von Arne Reimer. Kate Bushs „Wuthering Heights“ ist schon fast zum Eröffnungsstandard der Leipziger Jazztage geworden. Bereits im Vorjahr sang ihn gleich zu Beginn Cécile McLorin Salvant im Duo, diesmal war es Nora Lyn Handschuh, der mit ihrer Gruppe Lyn & The Fingers der Nachwuchspreis der Marion-Ermer-Stiftung verliehen wurde. Im Preisträgerkonzert am Anfang der 49. Leipziger Jazztage konnte sie mit einer wandelbaren Stimme und einer sympathischen Präsenz überzeugen. Die ausgewogenen Arrangements fielen vor allem in der Frontlinie der Bläser auf: Caspar Rutsch (ts), Julius Bode (tp) und Marvin Uhlig (fl). Nur die Akustik des ansonsten sehr charmanten alten Beyerhauses funktioniert leider generell für Musik nicht gut. Ähnliches gilt auch für die Spielstätte UT Connewitz, doch das Trio von Dave Holland triumphierte dort trotzdem mit einem energiegeladenen Jaleel Shaw am Altsaxofon, genauso wie das Quartett von Altsaxofonist Immanuel Wilkins, das mit langen Spannungsbögen und einem hypnotischen Spiel das tobende Publikum begeisterte.

Ansonsten gab es aus dem Mutterland des Jazz nicht viele musikalische Acts, denn in einer Zeit, so Programmleiterin Annika Sautter in ihrer Eröffnungsrede, in der täglich Nachrichten aus den USA in den Medien dominieren, wollte das Kuratorium ganz bewusst Musik aus anderen Ländern repräsentieren. Insgesamt wurden in acht Tagen an zwölf Leipziger Spielstätten 31 Konzerte veranstaltet. Wie bereits in den Jahren zuvor legte das Festival wieder einen Schwerpunkt auf junge experimentierende Musiker*innen, die die Grenzen des Jazz auszuloten versuchten, wie zum Beispiel das Duo Laura Robles und Alejandra Cárdenas oder auch das Trio der Bassklarinettistin Shabnam Parvaresh.

Große Erwartungen wurden in das Konzert von Pianist Nduduzo Makhathini und dem Saxofonisten und Flötisten Shabaka Hutchings gesetzt. Der Südafrikaner und der Engländer kennen sich schon lange, traten aber erstmalig gemeinsam im Duo auf. Beide international gefeierten Stars sind tief spirituelle Musiker, die zusammen jedoch eine enttäuschende, vor sich hinplätschernde Fahrstuhl- und Wellnessmusik produzierten, die durch einen plakativen Vocoder-Gesang – zu allem Übel auch noch technisch verzerrt von Makhathini vorgetragen – ihre Chance auf eine spannende musikalische Begegnung vergeudeten.

Dann doch viel lieber das Trio des Leipziger Gitarristen Markus Rom, dessen Konzert im Kellergewölbe der Moritzbastei um Mitternacht begann. Zusammen mit Philipp Martin (b) und Hans Arnold (dr) erzeugte seine Minimal Music einen betörenden Sog mit einer ganz ruhigen, fast meditativen Stimmung, die an Filmmusik erinnerte.

Beim großen Abschlusskonzert in der Oper mit ihrer fantastischen Akustik eroberte Aly Keïta mit einer Mischung aus Folklore und Afropop sehr schnell die Herzen des Publikums. Ganz alleine auf seinem selbstgebauten Balafon spielend, erfreute ihn der Klang selbst immer wieder so sehr, dass er nach einem Titel das Publikum mitten im Applaus strahlend fragte: „Cool, oder?“