Winterjazz

Köln

© Stefan Pieper

Von Stefan Pieper. Das Kölner Musikfest Winterjazz feierte am 10. Januar seine fünfzehnte Ausgabe im Stadtgarten und im Club Zimmermanns. Vier Bühnen, freier Eintritt, rund zwanzig Konzerte an einem Abend – und was für welche! Die Konzerteindrücke waren allesamt exquisit, überall wirkte die Musik frisch und ausgeschlafen. Das Festival stehe dort, wo diese Musik eben stehe, beschrieb Angelika Niescier, die zusammen mit Ulla Oster den Winterjazz kuratiert, im Gespräch danach die Programmatik. Festivals wie dieses seien Orte des Widerstands, und überall, wo so etwas entstehe, wirke dies einer gleichgeschalteten Kultur entgegen.

Das Konzert von Tamara Lukasheva mit Kalle Kalima und Janning Trumann hatte „kriegerisch“ begonnen. Rilke, philosophische Traktate über den Krieg und den Tod, Jan Wagners Text Stein und Erde – das hätte prätentiös werden können, wurde es aber nicht. Der Gestus wurde immer freudvoll-treibender, und Janning Trumanns Posaunensoli antworteten unerschöpflich auf Tamara Lukashevas Gesang und Klavierspiel.

Das Wildcard-Konzept der Jubiläumsausgabe stellte Augenhöhe zwischen internationaler und hiesiger Szene her. Fünf internationale Gäste stellten sich Bands aus Kölner Musikern zusammen. Benoît Delbecq holte sich Robert Landfermann, Jonas Burgwinkel und Theresia Philipp. Alexandra Grimal traf auf Marlies Debacker und Elisabeth Coudoux – mit aufregenden Resultaten im großen Saal des Stadtgartens. Im Club Zimmermanns ging es in den Underground hinab, vor allem mit Toxodon alias Salome Amend (vib), Raissa Mehner (g) und Simon Camatta (dr). Wenn es zurzeit eine Band gibt, die besonders tief in ihrer Musik drin ist, dann dieses Trio. Auch das erzeugte fesselnde Hörsituationen voll hypnotischer Energie.

Jazz von heute ist divers und bunt: Im Foyer beeindruckte die Band der Gitarristin Monika Roscher mit einer breitwandigen Klangwelt aus Noise und Kollektivimprovisation. Shiva & The Destroyer luden den Raum mit Krautrock-Jazz und bunten Fantasiekostümen auf. Pianist Philip Zoubek machte solo das große Fass auf – spätromantische Rezitative, brausender Klangrausch, ein Pianist, der zeigt, was dieses Instrument alles kann. Menschen, die ihre Erfahrung teilen und sich immer wieder bei etwas Neuem begegnen – das machte vor allem eine Wunschbesetzung des Bassisten Alexander Morsey aus mit Filippa Gojo (voc), Roger Hanschel (sax), Andreas Wahl (g) und Jens Düppe (dr). Die Interaktionen dieses Quintetts wirkten so, als würde hier noch mal verdichtet, was diesen Abend im Ganzen getragen hatte.

„Jazz ist Livemusik“, betonte Angelika Niescier. Die Frage, wie man Menschen zu diesem Erlebnis bringe, müsse immer wieder neu gestellt werden, vor allem, indem Spielstätten eine Atmosphäre schaffen, in der alle willkommen sind. Beim Winterjazz geht diese Rechnung seit fünfzehn Jahren im Januar auf. Die Energie der Gründerzeit konnte erhalten werden.