Lokaltermin
„Wir hatten einfach einen sehr tollen Start“
Vor gut anderthalb Jahren eröffnete in Hamburg der NICA Jazz Club. Besitzerin und Geschäftsführerin Fee Schlennstedt lässt die seitdem vergangene Zeit Revue passieren.
Von Verena Düren
Betriebsamkeit herrscht bei ihr vor, doch es ist die von der guten Sorte. Und Fee Schlennstedt strahlt, denn für sie ist ein Traum wahr geworden: Im November 2024 eröffnete die Kulturmanagerin mit Wurzeln im Ruhrgebiet in Hamburg einen eigenen Jazzclub – und dieser gehört schon jetzt zu den gefragtesten Clubs in ganz Europa. „Wir hatten wirklich einen sehr tollen Start und anderthalb sehr bewegte, aber auch sehr gute Jahre“, so Schlennstedt. Inzwischen ist sie an einem Punkt, an dem sie strukturelle Dinge voranbringen kann, die für das Publikum eher unsichtbar bleiben. „Am Anfang hieß es vor allem, einfach zu machen und Dinge durchzuziehen. Nun können wir Dinge verbessern.“ Doch grundsätzlich hat sich das kleine Team im NICA Jazz Club inzwischen gut eingespielt und überzeugt als Gastgeber für hochkarätige Musikerinnen und Musiker das Publikum, das begeistert zu den Konzerten kommt.
„Von den Künstlern bekommen wir bombastisches Feedback“, so Schlennstedt. In Rekordzeit ist der Club im Herzen von Hamburg zu einem Place-to-be für die internationale Jazzszene geworden. Nicht wenige Hochkaräter waren in den ersten anderthalb Jahren bereits mehrfach zu Gast und haben den Club fest in ihren Tourplänen vermerkt. „Die Musiker fühlen sich hier wohl und merken schnell, dass sie bei uns bestens umsorgt werden. Sie lieben die Akustik des Raums.“
Schlennstedt, die vorher unter anderem Spielstätten wie Schloss Elmau, die Münchner Unterfahrt und das Berliner Quasimodo geleitet hat, kannte sich auch vorher schon in der Jazzszene bestens aus – und war selbst bekannt. Weniger sicher als bei den Künstlern konnte sie sich hingegen beim Publikum sein: „Ich wusste natürlich anfangs nicht, welches Publikum kommen würde und was damit auf mich zukommt“, sagt sie lachend. „Aber wir haben wirklich ein ganz tolles, aufmerksames und begeisterungsfähiges Publikum, was wiederum auch bei den Künstlern ankommt.“ Die Rückmeldungen sind teils überwältigend, und die Chefin kann ihr Glück darüber und über den Dank des Publikums kaum fassen.
Eine Aufbau- und Starthilfe, wie man sie sich besser nicht wünschen kann, waren und sind die berühmten Namen, die sich vom ersten Tag an die Klinke des NICA in die Hand gaben: Beim Eröffnungskonzert am 9. November 2024 war Richard Bona zu erleben, ACT-Künstler wie Iiro Rantala, Andreas Schaerer oder Nesrine waren hier teils schon mehrfach zu erleben, besonders stolz ist Schlennstedt darauf, dass Stacey Kent und Dee Dee Bridgewater sowie Geiger Nigel Kennedy bereits bei ihr aufgetreten sind. Dies hat sie vor allem ihrem guten Ruf und ihrem guten Draht zu Musikern und Agenturen zu verdanken. Denn wo Fee Schlennstedt involviert ist, steckt Qualität dahinter.
Vielleicht noch wichtiger ist dabei aber das Herzblut, das an jeder Stelle des Hauses dabei ist, und ihr Anliegen, Jazz möglichst vielen Besuchern zu vermitteln: „Ich kenne so viele Menschen, die der Meinung sind, dass sie Jazz nicht mögen, und dabei gar nicht genau wissen, was alles dazugehört“, so Schlennstedt. „Wir sind zwar ein Jazzclub, aber sind darin nicht dogmatisch und machen ein vielfältiges Programm. Es darf also auch mal nur vom Jazz angehaucht sein“, sagt sie. Auch jazzfernes Publikum fühlt sich hier willkommen und verliert die Scheu vor dem Clubbesuch. „Es geht ja nichts über das Liveerlebnis und wenn die Musiker durch das Publikum hindurch auf die Bühne treten, was für jeden Fan ein wunderbares Erlebnis ist.“
Inzwischen hat der NICA Jazz Club auch eine eigene Hausband, die Jazzwerk Big Band, die mit ihren Konzerten auch die Hamburger Jazzszene als Publikum in den Club holt. Bereits jetzt gibt es Kooperationen, die Schlennstedt fortsetzen und vertiefen will, so beispielsweise mit dem Harbour Front Literaturfestival, dem Landesjugendjazzorchester oder dem Wettbewerb „Jugend jazzt“. Die Nachwuchsförderung liegt ihr besonders am Herzen, so lädt sie gerne auch Musiker ein, die am Beginn ihrer Karriere stehen. „Ich finde es schön, wenn man schon so eine Ahnung hat, welchen Weg diese machen werden, und sie mitaufbauen und beobachten kann, wie sie groß werden.“ Eine ganz persönliche Herzensangelegenheit ist ihr auch der eher nischige Jazz, der im eigenen Club bisher noch eher verhalten angenommen wird. Aber das Publikum ist ja begeisterungsfähig und vertraut ihrer Expertise und Empfehlung, so dass diese Herzensangelegenheit auch nur eine Frage der Zeit bleiben wird.
Termine:
siehe Terminkalender unter Clubs 20000
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