jazzahead!

Bremen

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Von York Schaefer. Eine Freitagnacht in einer schicken Hotelbar in der Bremer Innenstadt: Es ist Clubnight der jazzahead! Auf der improvisierten Bühne nimmt eine Session um den Schlagzeuger Kossi Mawun aus Togo rasant Fahrt auf. Er und ein unbekannter Trompeter treiben den Groove des Quintetts voran. Jazz, ganz unverkopft, direkt und spontan improvisiert. „Jazz is not for the head, it’s for the heart“, beschwor tags darauf der senegalesische Sänger und Gitarrist Sahad bei seiner umjubelten Show vor 1000 Menschen. Neben Mawun und dem Trompeter Sydney Mavundla aus Südafrika war Sahad einer von drei Acts des Themenschwerpunkts Afrika, der nun nach drei Jahren zu Ende ging und bei dem nicht alle Konzerte so zupackend und überzeugend waren wie in diesem Jahr. Die Wahl des Kontinents mit seiner reichen Musiktradition steht für eine zunehmende Internationalität und Offenheit der jazzahead! Demnächst soll die asiatische Pazifikregion in den Fokus gerückt werden. Es sind die Überraschungen bei der Clubnight oder noch unbekannte Bands bei den 38 Showcase-Konzerten in Messehallen und Schlachthof, die den musikalischen Part der jazzahead! immer wieder spannend halten.

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Gastland war in diesem Jahr nach langem Anlauf endlich Schweden, dessen Jazzszene nicht nur aus der eigenen Folktradition schöpft, sondern auch internationale Einflüsse lustvoll verarbeitet. Beispielhaft die Formation Langendorf United, die im rappelvollen Schlachthof eine Art spirituellen Hippie-Jazz mit Entrückung, Killer-Grooves und einem hymnischen Cesária-Évora-Cover eine Verbindung eingehen ließ. Ein weiteres Overseas-Highlight: die Sängerin und Bassistin Tonina, die Mutter aus Sizilien, der Vater aus Uganda, sie selbst born and raised in den USA. Mit einer Gitarristin aus Kenia und einer Drummerin aus Brasilien ergab das ein internationales weibliches Powertrio, Aushängeschild für die internationale Ausrichtung und stilistische Offenheit der Messe.

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Zwanzig Jahre sind noch kein biblisches Alter für eine solche Veranstaltung, stehen aber doch für Beharrlichkeit und Überzeugung – besonders in Zeiten schwerer Einschnitte in die öffentliche Kulturförderung. 800 Gäste und 30 Aussteller hatte man bei der Premiere 2006; heute sprechen die Veranstalter von fast 3000 Fachbesuchern aus 62 Ländern auf der Messe und über 20.000 Menschen bei den Showcase-Konzerten. 

Dennoch verändert sich gerade im Bereich der Messe das Bild. Labels wie ACT und ECM sowie Booking-Agenturen sind nicht vor Ort, stattdessen Ländervertretungen von Argentinien bis zur Ukraine. Die Kosten für Stände und Personal stehen wohl für manche nicht mehr im Einklang mit zu erwartenden Geschäften. „Heutzutage ist nicht das Musikmachen das Problem, sondern die Sichtbarkeit”, betonte Dorotėja Būdaitė, Vorsitzende der Lithuanian Jazz Union, bei der Bekanntgabe des Baltikums als Partnerregion 2027. Beim Fachpublikum bleibt die jazzahead! trotzdem ein fester Termin im Kalender. Die Musikerin Nicole Johänntgen schätzt die familiäre Atmosphäre, und dass sie nach jahrelanger Präsenz inzwischen „immer mit ein paar Konzerten nach Hause kommt“. Der Promoter, Journalist und Veranstalter Tobi Kirsch erklärt: „Ich finde, dass der Jazz hier früher zu wenig auf seine Ursprünge zurückgegriffen hat und eher der akademische Kontext präsent war. Das wird jetzt aufgebrochen.“ Womöglich so wie bei der fesselnden Clubnight-Session mit Kossi Mawun in der Bremer City.

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