London Column
Der Pizza Express Club in der Dean Street in Soho feierte seinen 50. Geburtstag. Man hätte sich keinen passenderen Gaststar für die Feier wünschen können: Anstatt in einer Halle vor seinem üblichen Publikum von 3000 bis 5000 Zuschauern aufzutreten, spielte Jamie Cullum vor nur sechzig von uns glücklichen Menschen.
Cullums Verbindung zu dieser Bühne hat lange Wurzeln, sie ist Teil seiner Geschichte. Wie er sagte: „I love this stage.“ Sein allererster Auftritt fand in einem Pizza-Express-Restaurant in der Stadt Swindon statt, und als der Hype um ihn 2002/2003 richtig in Gang kam, geschah dies durch Showcases im Pizza Express in der Dean Street. Im Laufe des Abends schwelgte er in Erinnerungen und erzählte, wie prägend die Chance gewesen sei, die Künstler zu hören, die hier auftraten – insbesondere Mose Allison. Cullum erinnerte sich auch an die schmerzlich vermisste Amy Winehouse, die ihn genau in diesem Raum zurechtwies – weil er seinen „old-fashioned s**t“ spielte. Es war ein besonderer Abend, nicht zuletzt, weil der König der britischen Bassisten, Dave Green, anwesend war – jemand, den jeder in der britischen Jazzszene bewundert, respektiert und schätzt. Er wird in Kürze sein fünftes Jahrzehnt mit dem langjährigsten festen Bestandteil des Dean-Street-Programms, dem Scott Hamilton Quartet, beginnen. Cullum sang mit dem Trio des Pianisten Joe Webb. „Dies ist der einfachste Job der Welt“, sagte er mit einem Lächeln. Er entfernte auch vergnügt das Notenpult vom Klavier, um mit dem Korpus des Klaviers Percussion zu spielen und Songs aus seiner früheren Zeit wie „I’ve Got You Under My Skin“ wieder aufleben zu lassen.
Jamie Cullum ist nicht nur ein Künstler. Sein unermüdliches Engagement für eine Vielzahl britischer Jazzmusiker durch seine Radiosendung ist eine beständige Kraftquelle für die Jazz-Community, und sein Einfluss ist weitreichend. Dies zeigte sich auch in der Präsentation jüngerer Künstler bei dieser Feier: eine Sängerin, die stets Freude bereitet, Ni Maxine, sowie drei hervorragende Trompeter: Poppy Daniels, Mark Kavuma und Olivia Cuttill.
Es grenzt an ein Wunder, dass dieser großartige, intime Raum für Livemusik noch immer existiert, denn die Restaurantkette Pizza Express hat seit der Eröffnung des Clubs im Jahr 1976 nicht weniger als vier Besitzerwechsel durchlaufen. Ich unterhielt mich mit der Geschäftsführerin der Kette, Paula Mackenzie. Sie erzählte mir, dass sie an der Junior Royal Academy of Music Fagott studiert habe. Das lässt mich hoffen, dass die Musik weiterhin einen wichtigen Platz in diesem Raum und in der Restaurantkette einnehmen wird. Wie Jamie Cullum uns aus tiefstem Herzen vorsang: „Don’t stop the music!“
Sebastian Scotney betreibt die Website UKJazzNews.com



