
® Robert Fischer
46. Jazzfestival
Saalfelden
Von Robert Fischer. In Saalfelden pflegt man seine Eigenheiten. Dazu gehört, dass das hier stattfindende Jazzfestival immer erst einen Tag nach seinem Beginn offiziell eröffnet wird: mit einem folgerichtig so bezeichneten „Eröffnungskonzert“, das heuer von der jungen österreichischen Musikerin Yvonne Moriel sehr überzeugend gestaltet wurde. Konsequenterweise ist dann aber auch das als solches angekündigte „letzte Konzert“ nicht das letzte, sondern das vorletzte. Des Rätsels Lösung? Offenbar kennt man in Saalfelden zwei Zeitebenen. Die eine betrifft die Mainstage – die Hauptbühne im Congress Saalfelden, auf der das Festival offiziell beginnt und endet –, die andere die nicht weniger attraktiven Nebenschauplätze in Stadt und (Um-)Land.
Bei 56 Konzerten an vier Tagen traten heuer 175 Musikerinnen und Musiker aus 26 Nationen auf – da gilt es, Schwerpunkte zu setzen. Deshalb in aller Kürze: Das beste Konzert (in den Ohren des Berichterstatters) war das des norwegischen Schlagzeugers Dag Magnus Narvesen, dessen Oktett eine mitreißende Mischung aus virtuoser Improvisation und ausgeklügelten Arrangements auf die Hauptbühne brachte. Die vielen Noten, die die Musiker zu bewältigen hatten, standen dem Hörvergnügen nicht im Wege – während man an gleicher Stelle bei Marta Sánchez, die ihr Quintett um Cuong Vu (tp) erweitert hatte, den Eindruck haben konnte, die Musiker würden sich (noch) zu sehr auf den Notentext konzentrieren. Ganz anders bei ihrem wunderbaren Soloprogramm For the Space You Left, das die spanische Pianistin im Kunsthaus Nexus vorstellte.

® Robert Fischer
Das schlechteste Konzert boten vermutlich Wobble8 um den österreichischen Schlagzeuger Valentin Schuster – gesichert gesagt werden kann das allerdings nicht, da das Quartett alles daransetzte, eine möglicherweise doch vorhandene interessantere musikalische Substanz durch maßlos übertriebene Lautstärke zu überdecken.
Immer spannend sind die Musik als kontinuierlich entstehenden Prozess zelebrierenden Auftritte von Tamara Stefanovich (p), Christian Lillinger (dr) und Jonas Westergaard (b). In gleicher Weise eine Brücke zwischen Klangexperiment, freier Improvisation und Neuer Musik bauend: das als Industriesalon firmierende Trio mit Marina Džukljev (p), Christian Weber (b) und Michael Griener (dr). Erfrischend (jazz-)rockig dagegen: der energiegeladene Auftritt des Sheen Trio mit Shabnam Parvaresh (b-cl), Ula Martyn-Ellis (g) und Philipp Buck (dr).
Das emotionalste Event des Festivals war sicher The Big Shake, der als „A Saalfelden Homecoming“ angekündigte Auftritt zum zehnjährigen Jubiläum von Lukas Kranzelbinders Septett Shake Stew, das gemeinsam mit rund 70 Musikerinnen und Musikern der Bürgermusik Saalfelden und der Eisenbahner Stadtkapelle als Marching Parade durch die Stadt zog, Stücke von Shake Stew in (exzellenten) Blasmusik-Arrangements (Siegmund Andraschek) spielte und schließlich im Stadtpark eine begeisterte Menge zum Tanzen brachte.
Kranzelbinder war es auch, der am Sonntag mit einer „Spiritual Unity Session“ das Festival beendete. Nach dem offiziell „letzten Konzert“ versteht sich, bei dem zuvor noch Chris Speed (sax, cl), Cuong Vu (tp), Skúli Sverrisson (b) und Jim Black (dr) als Yeah No auf der Hauptbühne gestanden hatten, um eine Herz und Kopf erfreuende Reunion des bereits vor bald 30 Jahren gegründeten Quartetts zu feiern.


