London Column

Wenn man die Ohren offen hält, stößt man immer wieder auf Erinnerungen an die Loose Tubes und ihren explosionsartigen Eintritt in die Szene. Viele der bekanntesten Mitglieder der Band sind auch heute noch aktiv und kreativ: Iain Ballamy, Django Bates, Tim Whitehead, Mark Lockheart. Und dennoch war es wie eine Erfrischung für die Sinne, einen alten, erst vor Kurzem bei YouTube wieder aufgetauchten BBC-Fernsehfilm über die Loose Tubes beim Bath Festival 1986 zu sehen. Ich hoffe, er ist noch online verfügbar, wenn diese Kolumne veröffentlicht ist. Vor allem zeigt der Film den Aufbruch zu Neuem.

Ein Buch, das die Geschichte der Band erzählt, ist in Vorbereitung. Der Autor ist Steve Bradley, ein Schriftsteller aus der Gegend von Birmingham, und es wird sein erstes Buch. Der Verlag ist Jazz in Britain. Wir haben gehört, dass die Interviews fertig sind und die Veröffentlichung für Anfang 2024 geplant ist. Bradley sagt, dass er an diesem Werk „aus Liebe zur Sache“ arbeitet und dass es „in freundlicher Zusammenarbeit mit den Musikern geschrieben wird, die nach wie vor zu bemerkenswerten kreativen Höchstleistungen auflaufen“. Es gibt Aspekte der Geschichte, die umstritten sind, was eine faszinierende Lektüre erwarten lässt.

Mit Spannung sehe ich auch dem neuen Album eines der interessantesten kreativen Geister der Loose Tubes, Chris Batchelor, entgegen. Er ist vor Kurzem von seinem Posten als Leiter des einflussreichen Jazzkurses an der Middlesex University zurückgetreten. Dieser Kurs verschwand immer etwas unter dem Radar, aber seine Absolventen sind eine beeindruckende Truppe: Stian Westerhus, alle Mitglieder der Band Led Bib, Jason Yarde, Ruth Goller, Binker Golding, Alex Bonney.

Batchelors Band heißt Zoetic, mit einer Mehrheit ehemaliger Tubes-Mitglieder: Batchelor selbst, Meistergitarrist John Parricelli und Bassist Steve Watts. Die Ausnahmen sind die Schweizer Bratschistin (und Batchelors Ehefrau) Margrit Hasler, die 20 Jahre lang im Orchester der Oper Zürich gespielt hat, sowie Schlagzeuger Paul Clarvis, ein Musiker, der trotzdem den unkonventionellen Geist der Tubes verkörpert. „Sie waren die Generation vor mir, aber ich habe mit fast allen von ihnen gespielt“, sagt Clarvis.

Die Veröffentlichung des Albums ist vorläufig für Anfang 2023 geplant. Der Track „Elephant Lane“ sagt am meisten über die Geschichte der Loose Tubes aus. Es ist eine Anspielung auf einen Club, der von dem Promoter Johnny Edgecombe betrieben wurde. Edgecombe lud eine Band mit Chris Batchelor und Django Bates ein, um als Vorgruppe für den jeweiligen Künstler aufzutreten. Die beiden Teenager waren völlig fasziniert von Dudu Pukwana, und beide geben heute noch zu, dass es der Südafrikaner und seine unglaubliche Wirkung auf das Publikum waren, die ihr Leben veränderten und ihre musikalische Richtung in die Wege leiteten.

Jazzjournalist Sebastian Scotney betreibt die Website Londonjazznews.com und ist regelmäßig im Intelligence-Podcast des ECONOMIST zu Gast.