London Column
Oft sind wir so sehr von einmaligen Ereignissen fasziniert, dass wir nur allzu leicht die Menschen übersehen, die Jahrzehnt für Jahrzehnt immer wieder Bemerkenswertes leisten – bis zu dem Punkt, an dem das, was sie tun, als selbstverständlich und fast schon routinemäßig gilt; es ist einfach Teil dessen, wie die Dinge sind und schon immer waren.
Ich möchte deswegen hier ein Loblied auf Tony Dudley-Evans singen, der nun schon seit fünf Jahrzehnten eine treibende Kraft in der britischen Jazzszene ist. Niemand sonst hat die Jazzszene in den West Midlands – der Region rund um seine Heimatstadt Birmingham – so geprägt wie er. Er baute Birmingham Jazz zum wichtigsten Jazzveranstalter in den West Midlands auf, integrierte die Organisation später unter dem Dach von Performances Birmingham (innerhalb der Strukturen von Town Hall und Symphony Hall, unter der Marke Jazzlines) und musste das Ganze schließlich außerhalb dieses Dachverbands als TDE Promotions neu aufbauen. Er war außerdem lange Künstlerischer Leiter des Cheltenham Jazz Festivals und anschließend als Programmberater tätig.
Was eine so kurze Skizze wie diese auslässt, ist das Ausmaß, in dem er sowohl Musiker als auch Veranstalter betreut und begleitet hat, indem er ihnen das Selbstvertrauen gab, sich in der Region niederzulassen und beim Aufbau der Szene mitzuhelfen. Und dann die Organisation von wirklich zahllosen Gigs und Konzerten.
Während ich diesen Text schreibe, nur wenige Tage vor dem Coltrane-Jubiläum, stelle ich fest, dass Tony eine außergewöhnliche Coltrane-Veranstaltung auf die Beine gestellt hat, die in Birmingham stattfinden wird und bei der die Saxofonisten John O’Gallagher und Paul Dunmall auftreten werden. O’Gallaghers akademisches Forschungsinteresse (in Birmingham) konzentriert sich auf Coltrane und beschreibt, wie er dessen Musik in sein eigenes künstlerisches Schaffen integriert: „Die Bühne ist der Altar, an dem wir unseren Vorfahren huldigen.“ Paul Dunmall hat über Coltrane geschrieben: „Sein Einfluss auf so vielen Ebenen war der größte in meinem Leben.“ Das sind genau die richtigen Künstler für dieses Jubiläum. Sie sind nicht nur fest in Coltranes Musik verwurzelt, sondern auch mit der Birminghamer Szene verbunden und haben gemeinsam mit Tony ihren Teil dazu beigetragen, diese aufzubauen und nachhaltig zu gestalten.
Tony wird beim Jazzfest Berlin sein, um für UK Jazz News über das Festival zu berichten, und während ich das hier schreibe, kann ich nur davon träumen, dass alle Leser dieses Artikels, die das Festival besuchen, ihn begrüßen und ihm zu all dem gratulieren, was er geschafft hat. Er hat es auf jeden Fall verdient, dass ihm jemand ein Bier ausgibt. Das ist das Mindeste.
Sebastian Scotney betreibt die Website UKJazzNews.com



