Mr. M’s Jazz Club

Baden-Baden

© Steven Haberland

Von Achim Ost. Mr. M’s Jazz Club war auch in diesem Jahr, wie von Anfang an, in erster Linie ein Vocal-Jazz-Club, und Mr. M., der Impresario, mit vollem Namen Marc Marshall, ist zugleich ein Sänger beziehungsweise Crooner, der den von ihm nach ihm benannten Jazz Club auch musikalisch mitgestaltet und prägt. Eigentlich handelt es sich bei dem Club-Ereignis um ein Festival. Die eingeladenen Solistinnen und Solisten des auf drei Abende konzentrierten Events im Benazet-Saal des Baden-Badener Kurhauses bekommen traditionell eine Festival-Band an die Seite gestellt, die weit über ihre begleitende Funktion hinaus auch tragende Aufgaben übernimmt. Sie hatte in diesem Jahr maximal Septett-Größe und bestand aus den versierten und profilierten Musikern Frank Lauber (sax), der auch als Bandleader fungiert, Bruno Müller (g), Max Klaas (perc), Hans Dekker (dr), Jan Miserre (p), Matthias Eichhorn (b) und Simon Oslender (org). Die Band arbeitet sich nicht nur durch das Repertoire des Great American Songbook, sondern auch sehr kompetent durch Latin-Klangfarben-, -Formen und -Rhythmen ebenso wie durch weiträumige mediterrane – also nordafrikanische und nahöstliche – und andere weltmusikalische Idiome.

Das Publikum hatte sich auch daran gewöhnt, dass im Rahmen von Mr. M’s Jazz Club der – nicht finanziell dotierte, aber mit einer von Markus Lüpertz gefertigten Skulptur ausgestattete – Joachim-Ernst-Berendt-Ehrenpreis vergeben wird. Im vergangenen Jahr erhielt Helge Schneider die Auszeichnung. Jegliche Preisverleihung fiel diesmal allerdings aus – und wird wohl auch künftig ausfallen.

Marc Marshall spannt das Dach seines Clubs weit. Der erste Abend war weltmusikalisch geprägt, und Marshall eröffnete ihn selbst gänzlich ironiefrei mit „What a Wonderful World“. Alaa Zouiten aus Casablanca schüttete mit seiner Stimme und der Kurzhalslaute Oud mehr als einen Hauch Maghreb in den Club. Höhepunkt dieses spätromantischen Abends war der Auftritt der Vokalistin Simin Tander, die avancierte Gesangstechniken auf erstaunlich nahtlose Weise mit ethnischen Melodien und Intonationen zu verbinden vermag. Momo Djender aus Algier schließlich ist ein Musiker, dem offenbar die afrikanisch-europäischen Beziehungen ein musikalisches Anliegen sind; er schloss sein Set mit Stings Song „Desert Rose“.

Der Soul- und Funk-Abend in der Mitte des Festivals war stärker an Maßgaben herkömmlicher Bühnen-Shows orientiert: Die glamouröse und energische Nik West, die schon mit Dave Stewart, John Mayer und Prince gearbeitet hat, bot mit ihrer Soul-Stimme und dem funkig wummernden E-Bass ein intensives Bühnenerlebnis. Cosmo Klein wartete mit einem gekonnt-gefälligen Soul-Set auf, und wie in Baden-Baden üblich kam es zu einem Duo mit Gastgeber M. („Walking in the Sun“). Trompeter Rüdiger Baldauf ging die Dinge dann etwas ruhiger an. Erst der dritte Club-Abend war dann im genaueren Sinne ein Jazz-Abend: stilistisch homogen, mit Peter Fessler, Magnus Lindgren, der kongolesischen Vokalistin Melane und der schwedischen Vokalistin Ida Sand. Jazz war schon immer Weltmusik.