Sebastian Scotney

The London Column

Anfang 2018 feierte der Jazzspezialist des GUARDIAN, John Fordham, seinen 70. Geburtstag. Nicht nur aufgrund dieses runden Geburtstags scheint dies der rechte Moment, dieses Nestors unserer Jazzkritiker zu gedenken. Er ist der Autor von sieben Büchern über den Jazz, war Redakteur von Zeitschriften (teils im Jazzbereich, teils anderweitig) und hat dreimal einen Parliamentary Award für seine Schriften über den Jazz gewonnen. Was besonders erwähnt werden muss, ist sein extensives Wissen, seine immerwährende Frische und sein ungedämpfter Enthusiasmus, die in allem, was er schreibt, präsent sind. Seit den frühen 70er Jahren widmet er sich schon dem Jazz – eine Aufgabe, die er immer noch mit Verve erfüllt.

Ob er sich noch erinnert, womit für ihn alles angefangen hat? Das Schlüsselerlebnis war, als er als 16-Jähriger, immer mit seiner eigenen Gitarre im Schlepp, zum ersten Mal Wes Montgomerys Boss Guitar hörte. Und was brachte ihn zum Schreiben über Jazz? Er nennt als Inspiration die Paperback-Ausgabe von The Sound of Surprise von Whitney Balliett. Die Beschreibungen seien so anschaulich, Balliett vermittle dem Leser das Gefühl, er könne die Musik selbst hören.

Ein Merkmal von John Fordham ist, dass er im Vergleich zu anderen Jazzautoren immer ein offenes Ohr für den kontinentaleuropäischen Jazz hatte. Er erinnert sich gern, wie er in den 70er Jahren für TIME OUT über die frühen ECM-Auflagen von Eberhard Weber und Jan Garbarek schrieb, und wie deren eher offene und gemächliche Art, Jazz zu spielen, ihn besonders berührt habe. „Es schien mir, dass sie eine gute Richtung einschlugen.“ Weiter erwähnt er den starken Eindruck, den Esbjörn Svensson, den er 2001 in Londons Pizza Express hörte, auf ihn gemacht habe. Fordhams veröffentlichte Eindrücke von diesem Gig waren wegweisend.

Eine von Fordhams Besonderheiten ist, dass er sich, wenn er über einen Gig schreibt, im Publikum bewusst unsichtbar macht. Kollegen sagen oft, wenn sie später seine lebendige Rezension in der Zeitung lesen, dass sie ihn bei der Vorstellung nicht bemerkt hätten. Diese selbstgewählte Distanz ist kein Zufall. Fordham nimmt sich die Lehren des Fotografen Cartier-Bresson zu Herzen, dessen Maxime war, sein Subjekt zu respektieren und nicht sich selbst in Szene zu setzen.

In den letzten Jahren hat der GUARDIAN Rezensionen über Musik, die nicht Mainstream ist, zurückgestuft. Da überrascht es nicht, dass John Fordham bei anderen Publikationen gefragt ist. Wir grüßen ihn, den Mann, der seine Notizen im Schatten einer Säule oder Ähnlichem macht – und weiterhin so einsichtsvolle Rezensionen schreibt.

Jazzjournalist Sebastian Scotney betreibt die Website www.londonjazznews.com, die dieses Jahr ihr zehnjähriges Bestehen feiert.