Elina Duni & Rob Luft

Unter dem südlichen Mond

Den Frühsommer in Südfrankreich, wo Elina Duni und Rob Luft ihr neues Album aufgenommen haben, stellen wir uns lichtdurchflutet vor, mit allenfalls ein paar weißen Wölkchen im himmlischen Azur, die mediterrane Luft erfüllt vom Duft aromatischer Kräuter, das Auge gesättigt von lila Lavendelpracht. Das Duo aber besingt im Titelstück nicht die südliche Sonne, sondern den Mond. Wie kamen die beiden auf Irving Berlins „Reaching for the Moon“ als klingender Auftakt?

Von Robert Fischer

Das Konzept für dieses Album entstand aus einem Projekt, das ursprünglich von der Genfer Universität der Kulturen in Auftrag gegeben wurde“, erzählt Elina Duni. „Die Idee war, sechs Wiegenlieder in sechs verschiedenen Sprachen zu finden und neu zu interpretieren, um die Vielfalt und den Multikulturalismus von Genf widerzuspiegeln. Dieses Projekt ist mir besonders wichtig, da es von jener Stadt in Auftrag gegeben wurde, die mich 1991 als Kind aus Albanien willkommen hieß – damals war ich gerade zehn Jahre alt. Von den ursprünglich sechs Wiegenliedern haben wir zwei für das neue Album ausgewählt [„Leili Lullaby“ und „Les Berceaux“]. Anschließend erweiterten wir das Konzept um Songs, die sich allgemeiner mit der Nacht, der Magie der Dämmerung und natürlich dem Mond befassen. Mit unserem Produzenten Manfred Eicher arbeiteten wir an der passenden Tracklist für das Album, und wir waren uns alle einig, dass dieser weniger bekannte Jazzstandard von Irving Berlin die perfekte Stimmung erzeugen würde.“

Reaching for the Moon ist die dritte gemeinsame Veröffentlichung der beiden auf ECM nach Lost Ships (2020) und A Time to Remember (2023), aber die erste, die die Sängerin und der Gitarrist nicht im Quartett mit Fred Thomas (dr) und Matthieu Michel (flh) eingespielt haben, sondern im Duo. Darauf angesprochen, sagt Rob Luft: „Seit unserem ersten Treffen 2017 sind wir ununterbrochen als Duo auf Tournee, und jetzt fühlte es sich einfach richtig an, diese reduzierte musikalische Atmosphäre festzuhalten. Der Klang des Albums entspricht genau dem, wie man uns live hören kann, und wir haben alles gegeben, um auch die Bühnenenergie im Studio einzufangen.

dat, eine Ballade des italienischen Singer-Songwriters Pino Daniele, Filmmusiken des Japaners Shigeru Umebayashi wie des Polen Krzysztof Komeda. Und selbst wenn man die jeweilige Sprache nicht versteht, in der gesungen wird, klingt alles so vertraut, als gäbe es ein inneres Band, das alles musikalisch miteinander verbindet.

Tatsächlich ist es für Elina Duni gar nicht so wichtig, in welcher Sprache sie singt. Viel wichtiger sei es ihr, sagt sie, eine bestimmte Stimmung zu erzeugen und eine passende Geschichte zu erzählen, einen emotionalen Bogen zu spannen, bei dem die Lieder wie die unterschiedlichen Stationen einer musikalischen Reise oder wie die Kapitel in einem Roman sein können.

„Wenn wir zusammen spielen“, fügt Luft hinzu, „und ganz im Flow sind, reduzieren wir die Stücke auf ihre wesentlichen Elemente: Melodie, Harmonie, Rhythmus, Form, Textur.“ In der grundsätzlichen Herangehensweise mache es deshalb auch keinen großen Unterschied, ob die beiden die Stücke anderer interpretierten oder eigene.

Drei der elf Stücke auf dem Album, „Foolish Flame“, „Magnolia“ und „Your Arms“, sind zusammen geschriebene Eigenkompositionen. Sie entstanden aus Ideen, erzählt Elina Duni, die bei ihr zu Hause in Zürich am Klavier entwickelt wurden und die sie später in London zusammen in jene Form brachten, die nun auf dem Album zu hören ist. „Gemeinsam Musik zu komponieren, ist eine große Herausforderung, aber auch eine große Bereicherung“, fügt sie hinzu. Sie freue sich sehr darüber, dass sie in den letzten fünf Jahren etwa 15 Stücke zusammen schreiben konnten, und hoffe, dass diese eines Tages als „Elina Duni / Rob Luft Songbook“ erscheinen werden.

Das Album endet mit Ornette Colemans „Lonely Woman“, sicher nicht zufällig einen inhaltlichen Bogen ziehend zu Irving Berlins „Reaching for the Moon“ am Anfang. Bei Coleman wandert eine Frau einsam durch die Nacht, bei Irving Berlin glimmt noch die Hoffnung, dass ein Liebeslied vollendet werden könnte: „Reaching for the moon and you.“ Ist es das, was die beiden mit ihrem Album zum Ausdruck bringen wollen? „Unbedingt“, bestätigen sie. „Wir möchten mit diesem Album eine Botschaft der Hoffnung vermitteln, insbesondere in diesen dunklen und unsicheren Zeiten. Es gibt immer Licht um uns herum, und wie der Samen einer Blume, der in absoluter Dunkelheit wächst, soll die musikalische Botschaft hier eine Botschaft der Liebe, des Lichts, des Zusammenhalts und der Resilienz sein. Eine Erkenntnis, die wir im gemeinsamen Musizieren gewonnen haben, ist die unglaubliche Kraft der Musik, Menschen aus allen Gesellschaftsschichten zusammenzubringen. Wie der große amerikanische Saxofonist Albert Ayler sagte: ,Musik ist die heilende Kraft des Universums!‘“

Aktuelles Album:

Elina Duni & Rob Luft: Reaching for the Moon (ECM / Universal)