London Column

In meiner Rolle als Betreiber der Website UK Jazz News redigiere ich viele Beiträge, die unsere festen Autoren zur Veröffentlichung einschicken. Meistens mache ich das gerne. Es ist mir ein echtes Anliegen, dafür zu sorgen, dass gute Geschichten – und auch verlässliche Informationen – über großartige Musiker und gute Musik verbreitet werden. Ja, Fakten müssen manchmal korrigiert und Rechtschreibfehler berichtigt werden, aber so ist das eben. Das gehört nun einmal dazu.

In unserem Autorenteam gibt es einige, die sich auszeichnen durch ihre Einfühlsamkeit sowie ihre Liebe für und ihr Wissen über die Musik. Das lässt mich daran denken, dass ich den Verlust von Alison Bentley, die 2023 im Alter von 65 Jahren verstorben ist, noch immer nicht verwunden habe. Sie war selbst Sängerin, und ihre Rezensionen waren etwas ganz Besonderes; sie hörte sich Alben sehr genau an und achtete auf jedes Detail. In einem Fall kommentierte sie eine Nachbearbeitung an einem Album, die die betroffene Künstlerin selbst gar nicht bemerkt hatte, und der Produzent bestätigte, dass sie genau richtig lag.

Ein Autor, dessen Beiträge ich immer besonders gerne erhalte, weil ich weiß, dass ich aus jedem seiner Texte etwas lerne, ist Liam Noble. Und wenn den Lesern dieses Magazins sein Name bekannt vorkommt, dann deshalb, weil man ihn vor allem als Pianist kennt. Ich habe ihn ermutigt, mit zehn Jahren Abstand einen rückschauenden Beitrag über sein Solo-Piano-Album A Room Somewhere zu schreiben. Es ist ein herrlich anschaulicher und ehrlicher Bericht.

Vor Kurzem schrieb er eine Rezension zum neuen Bill-Frisell-Album In My Dreams, und dieser Text löste bei mir eine ungewöhnliche Reaktion aus. Als ich ihn las, wusste ich, dass ich ihn auch unbedingt HÖREN wollte. Also beauftragte ich die britische Schauspielerin Lisa Diveney, sich beim Vorlesen von Liams Rezension aufzunehmen. Ich liebe, was sie daraus gemacht hat. Es ist auf der Londonjazz-Bandcamp-Seite zu finden. Sechs Minuten voller schöner Gedanken über einen großartigen Künstler.

Als Musiker treibt Liam immer neue Projekte voran. Er sagte mir, dass seine neue Band, für die er komponiert und Synthesizer spielt, Go See Jasmin heißt. „Warum?“, fragte ich ihn. „Sie ist nach einer imaginären Wahrsagerin benannt. Fehlfunktionierende elektronische Signale prallen auf improvisierte Schnörkel, sanfte Ambient-Texturen werden durch kindliche Anfälle von Virtuosität gestört. Grooves kommen und gehen, Melodien tauchen auf, verblassen und tauchen wieder auf.“ Die anderen Musiker sind die junge Gitarristin Tara Cunningham, Tom Herbert (von Polar Bear) am E-Bass und Schlagzeuger Will Glaser. Ich habe sie live gehört und bin sehr gespannt auf das Album.

Sebastian Scotney betreibt die Website UKJazzNews.com.