Cologne Jazzweek

Köln

© Lucie Schulze

Von Jan Kobrzinowski. Die Cologne Jazzweek – das ist eine Woche freie, komponierte, neue und improvisierte Musik an ungewöhnlichen Orten, urbanes Leben, das sich in angesagten Clubsounds widerspiegelt, purer Spaß und tanzbarer Genuss. Und mittendrin wirbelt das Team um den allgegenwärtigen Festivalchef Janning Trumann.

© Lucie Schulze

Das Ursprung Fi ist ein neuer Spielort, ein Betonneubau in Köln-Ehrenfeld, in Sound und Architektur komplett durchdesignt. Verspielte, teilweise begehbare Objekte machen den Club zu einer Art Erlebnispark. Dort tritt Peter Evans (tp) mit der georgischen Soundkünstlerin Anushka Chkheidze auf. Anders als anderntags mit Impro-Urgestein Evan Parker, steigert er sich mit seiner Partnerin in einen Tiefenrausch von Sounds und reißt beide Seiten mit: junges Clubpublikum und alte Jazz-Hasen. Gitarrist Teis Semey, Rising Star aus den Niederlanden, kommt gleich zweimal zum Zug: als cooles Crew-Mitglied von Hendrik Eichlers Raumschiff Manic Anomaly und mit eigener Band aus rotzfrecher Rhythmusgruppe und zwei ruppigen Saxofonen.

Aber inmitten von Avant-Sounds und Club-Experimenten hat auch klassischer Jazz Platz: Gitarrist Peter Bernstein swingt im Quartett, herausragend am Klavier: Sullivan Fortner. In Kooperation mit Jüdisches Leben in Europa (JEWLIF) lädt die Jazzweek Trompeter Avishai Cohens Big Vicious in die Philharmonie ein. Das eigenwillige Quintett mit zwei Gitarristen und Doppel-Schlagzeug steigert sich vor 1000 Besuchern zu einem packenden Hybrid aus Jazz, TripHop und Rock. Hymnischer Höhepunkt: Massive Attacks „Teardrop“.

© Lucie Schulze

Ein wichtiger Teil der Jazzweek macht richtig Spaß, ein anderer ist tiefes Experiment, mit stark abstrahierter neuer komponierter und improvisierter Musik. Wer will, kann dazulernen, sich hineinhören in Kompositionen und Soundkonzepte, die sich nicht sofort erschließen, z.B. mit Uli Kempendorffs Field als Sextett mit Marc Ducret und Christopher Dell. Zum vertieften Einsteigen in komplex-abstrakte Komposition eignet sich auch das Avant-Jazz-Trio von Roger Kintopf mit Emmanuel Michael (g) und Sun-Mi Hong (dr). Der Bassist nimmt im Rahmen der Jazzweek auch den Horst & Gretl Will-Jazzpreis entgegen.

Ihre ganz eigene Klangarchitektur entwirft Luise Volkmann (sax) mit ihren Folk Stories sowie im Trio mit Athina Kontou und Museum of No Art. Die Posaune kommt durch Auftritte der Amerikanerin Kalia Vandever, das MILLENNIUM Trombone Quartet sowie Matthias Muches beeindruckendes BONECRUSHER-Ensemble zu Ehren. Und dann sind da Acts, die einfach nur Spaß machen, und zwar mit Niveau, so die Spaziergänge durch Köln mit Alphörnern und Blech mit Johannes Bär und Matthias Schriefl und dessen Duo mit Tamara Lukasheva sowie Alex Parzhubers Trio PARZ, das im JAKI um die Wette groovt mit Featured Artist Olga Reznichenko an den Fender Rhodes.

Eine andere Sorte Spaßvogel ist Sam Gendel (sax), der sich in seinem Solo-Gig im Stadtgarten nicht nur mit Niveau über das Standardwerk von Jamey Aebersold lustig macht, sondern aus vielen Kapiteln der Musikgeschichte scheinbar verschusselt weitere seiner vorbereiteten Sample-Collagen zu köstlichen Geschichten verarbeitet. Ein weiterer Featured Artist der Jazzweek: Im Subway wird Sam Amidon, dem„Folkie“ unter den Avantgardisten, vom Subway Jazz Orchestra und seinem brillanten Arrangeur ein wunderbarer Teppich ausgerollt: Stefan Karl Schmid hatte die experimentellen Root-Folksongs zu groovenden Bigband-Perlen umgearbeitet, zu denen Amidon live singt und Gitarre, Banjo und Fiddle spielt. Eines von vielen gelungenen Experimenten der Jazzweek. Das alles – und noch viel mehr …