Deutscher Jazzpreis
Bremen

© Niklas Marc Heinecke
Von Jan Kobrzinowski. Die Verleihung von Preisen ist ein Ritual inmitten der gesamtgesellschaftlichen Realität, mit Jazz und improvisierter Musik ringt ja eine immer wieder unterbewertete Kunstform samt angrenzenden Phänomenen stets um Sichtbarkeit und Anerkennung. Die erhält sie einmal im Jahr auf glamouröse Weise bei der Verleihung der Deutschen Jazzpreise. Inzwischen lebt man damit, dass sich an dem, was traditionell in diesem Kontext normal und gebräuchlich war, etwas ändert. Wenn die Welt sich wandelt, und das tut sie mit Riesenschritten, dann kommen auch wir nicht umhin, uns zu ändern. Und mit uns ändern sich seit ein paar Jahren auch die Umstände, unter denen Jazzpreise vergeben werden. Ob dem Jazz dieser Anflug von Glamour bekommt, in dem die Live-Acts präsentiert werden? Wie fühlen sich Leute, die zu Fotos gruppiert werden, von denen manche nichts miteinander zu tun zu haben scheinen? Egal – da muss durch, wer am Ende zählbare Ergebnisse erhalten oder auch nur die Zeit bis zu den (leckeren) veganen Häppchen überbrücken will.

© Niklas Marc Heinecke
Wenn böse Zungen im Vorfeld von „der Woke-Veranstaltung“ sprechen, ist das erst mal genüsslich hässlich gemeint, drückt aber wohl ein Unbehagen aus, resultierend aus Scham über das eigene Unwohlsein darüber, dass man sich damit auseinandersetzen muss, dass es bei Vergabe von Preisen aus öffentlichen Mitteln divers, nachhaltig und mit Rücksicht auf Vielfalt zugeht. Andere reiben sich vielleicht an der Beobachtung, dass es allgemein ein erhöhtes Bedürfnis nach Events im Stile des ESC, der Verleihung von Oscars, Bären und Palmen gibt.

© Niklas Marc Heinecke
Erspart blieb dem Publikum in Bremen 2026 ein weiterer Auftritt des Kulturstaatsministers. Der schickte seinen eloquenten Amtsleiter Konrad Schmidt-Werthern, der die Angelegenheit einigermaßen geschickt regelte, auf Englisch, ganz angepasst an die Internationalität der jazzahead!, die nebenan lief und für dieses Event unterbrochen wurde. Das Publikum kam, abgesehen vom hyperaktiv auftretenden Götz Bühler in Begleitung der Moderationskollegin Thelma Buabeng, in den Genuss einer flammenden Rede des Bremer Bürgermeisters und Kultursenators Andreas Bovenschulte. Dieser stellte gewagte, dennoch schmeichelhafte Thesen über die Wirksamkeit des Jazz im gesellschaftlichen Kulturkampf gegen Rechts auf, für Toleranz und gegen autoritäre Aufladung, was ihm großen Beifall einbrachte. Zu Recht, denn kämpferische Sozialdemokraten klingen immer noch besser als parteilos gelangweilt daherredende Lobbyisten.
Alles in allem: Der Deutsche Jazzpreis – gut, dass es ihn gibt – hat sich längst als Institution etabliert. Er ist an sich kein Grund zur Aufregung mehr. Es wurden wichtige Leute der deutschen Szene berücksichtigt: Robert Lucaciu, Olga Reznichenko, Peter Ehwald, Luise Volkmann, Max Andrzejewski, Phil Donkin, Lina Allemano, Rebekka Salomea u.a. International liegt der Schwerpunkt auf den USA: Geehrt wurden Sullivan Fortner, Johnathan Blake, Kris Davis, die Webber/Morris Big Band und Saxofonist Fuasi Abdul-Khaliq. Für ihr Lebenswerk bekam Aki Takase ihre verdiente Anerkennung. Und wie immer bleiben bei einigen Entscheidungen der Jury Fragen offen. Das ist normal.



