HD 304 mk2

Da muss doch noch was gehen?

Von Peter Steinfadt

Hi-Fi: Cyrus CDi Intimität bis zum Erröten

Cyrus CDi

Intimität bis zum Erröten

Wer noch CDs hört, der kommt um ein hochwertiges Abspielgerät nicht herum. Ein traditionsreicher Hersteller von CD-Playern ist Cyrus Audio aus England.

Von Peter Steinfadt

Also ich habe ja gerne was in der Hand. Eine Langspielschallplatte. Oder eine CD mit buntem Booklet. Mit gestreamter Musik, mp3 oder ähnlichem technologischen Fortschritt kann ich wenig anfangen. Musikgenuss ist ein Lebensmittel und sollte nicht zum Fast Food verkommen. Kann der ernsthafte Musikfreund Datenmaterial sammeln? Das ist wie Berliner Luft in Dosen und somit lächerlich. Wo bitteschön bleibt denn im Zuge der Entstofflichung der liebgewonnene Staub auf der meterlangen LP-Sammlung im Regal oder dem Konvolut der alphabetisch sortierten Silberlinge? Da goutiere ich doch lieber das saftig-dezente „Schluurb“ des Cyrus-Laufwerks während des Einziehens bzw. Ausspuckens einer Compact Disc.

Die Technik des Cyrus CDi aus Huntington, Cambridgeshire ruht in einem Solidität ausstrahlenden und für den Hersteller typischen Druckguss-Gehäuse mit schöner Anfassqualität und verfügt über ein sogenanntes LED Loading System sowie einen 32-Bit-DAC Wandler. In der bescheidenen Abmessung von 73 x 215 x 360 Millimetern (H x B x T) mit den Ausgängen SPDIF optisch, SPDIF koaxial und 2 x Stereo-Cinch steckt viel technisches Know-how des Traditionsherstellers. Vom ersten reproduzierten Ton an ist es zu hören, dass hier enthusiastische Überzeugungstäter am Werk waren. Hier wird Wissen umgemünzt in seelenvolle, natürliche Musikwiedergabe.

Dark Days & Canapés (Pias, 2017) von Obaro Ejimiwe aka Ghostpoet liefert düsteren, spannenden Urban-Electro-Sound aus UK. Als Hörer verfällt man sofort der dunklen Stimme des Briten mit nigerianischen Wurzeln, mehr Spoken Word als Gesang. Hier treffen ein glockenhell angeschlagenes Klavier auf dunkle Elektrosounds und teils verstörende Gitarrenarbeiten, die sogar ins Morriconehafte driften können. Welcome to the Geisterstunde. Es ist schön da. Der Cyrus CDi besitzt ein Faible für einen sehr harmonischen, körperreichen Tonfall und leuchtet die Bühne des musikalischen Geschehens sehr glaubhaft aus. Der Player transportiert die Weltuntergangsintimität des Albums bis zum Erröten. Mit einem solch organischen, gesättigten Gestus, dass sich die beliebte Frage nach der Auflösungskapazität der Maschine, die diese übrigens perfekt beherrscht, erst gar nicht stellt. „Schluurb!“ – CD raus. „Schluurb!“ – neuer Titel rein. Ärger über klapprige CD-Schubladen kann beim Cyrus CDi gar nicht erst aufkommen. Das Florian Pellissier Quintet kann sein Faible für Blue-Note-Jazz der 60er Jahre nicht verleugnen und schlägt auf seinem neuen Album Bijou Voyou Caillou (Heavenly Sweetness, 2018) mit europäisch geprägtem Jazzidiom und Ausflügen in Rap-Gefilde die Brücke in die Jetztzeit. Die spielfreudige Besetzung und feurige Eleganz der Band um den Pianisten Pellissier vermag mit Melodien und überraschenden Hooks vom ersten bis zum letzten Titel zu fesseln. Hier mag man durchhören und nicht mit der schicken Fernbedienung des Players von Titel zu Titel skippen. Die sehr gute Aufnahmequalität mit transparenter Handschrift – hier war mit Jordan Kouby ein Könner im Studio – wird vom Cyrus-Player wunderbar und selbstverständlich ohne Artefakte in den Raum gestellt. Auch hier geht die Rechnung mit exzellentem Timing und einer tonalen Abstimmung, die die Farben der weichen, warmen Klänge zum Leuchten bringt, auf. Im Hochtonbereich rundet der Player hier etwas ab, aber unterschlägt nichts wirklich. Das bewusste Zurückhalten des allerletzten, höchsten Hochtons und die leicht „dunkle“ Gesamtabstimmung sind sehr angenehm im Ohr. Der CDi nervt niemals auch nur im Ansatz, sondern überzeugt mit einer stupenden Grundtondynamik, Gefühl für Rhythmus und musikalischem Fluss. Wie beim Hersteller üblich, ist der CDi mit dem optional erhältlichen Netzteil PSX-R aufwertbar. Aber auch ohne externe Stromversorgung gehört der kleine Brite im schicken schwarzen Kleid in die klangliche Klasse der 3000-Euro-Player. Die aufgerufene UVP in Höhe von 1.295 Euro ist auf jeden Fall jeden Cent wert. Der Gegenwert ist eine Musikmaschine, die zu begeistern vermag und in diesem Marktsegment nahezu konkurrenzlos ist. 

Website:

www.bellevueaudio.de