Wie klingt lettischer Jazz? Ziemlich packend kann er klingen. Zumindest beim Kristaps Vanadziņš Trio ist das so.

Monheim am Rhein, Mitte Juli: Auch hier kämpfen Menschen mit den fatalen Folgen von Starkregen und Sommer-Hochwasser. Kaum vorstellbar, dass knapp zwei Wochen zuvor am Ufer des mächtigen Stromes friedlich ein zum Konzertschiff umfunktionierter Flussdampfer namens „Rhein-Fantasie“ lag

Mechanisch, mal straight, dann auch beruhigend – die Musik des Trios um Matthieu Mazué beherbergt eine große Vielfalt der Klänge.

Im Garten Vera spielte der Schweizer Schlagzeuger Julian Sartorius, im Garten Gabi, auf der anderen Seite des Eberswalder Flüsschens Schwärze, der Wahlschweizer Posaunist Nils Wogram.

Iva Bittová schwebt über die Bühne, zwitschert, krächzt, spielt Geige, singt lautmalerische Texte. Die tschechische Klangakrobatin ist ein großes Spektakel und ein hoher ästhetischer Genuss – auf den man sich einlassen muss.

Dahinter verbarg sich ein kleines Pfingstwunder: Das Land NRW hatte kurzfristig grünes Licht für vier Doppelkonzerte gegeben, die open air vor Publikum stattfinden durften.

In einer Halle dieser Größenordnung dürften in jüngster Zeit die wenigsten Jazz-Musiker gespielt haben. Bis zuletzt hatten die Veranstalter der diesjährigen jazzahead! auf Publikum gehofft und entsprechend großräumig geplant.

Ob man nun Fan von virtuellen, hybriden oder sonstigen neuartigen Formaten ist oder diesen eher skeptisch gegenübersteht – in Bremen ist die Fachwelt des Jazz im Begriff, etwas nie Dagewesenes auf die Beine zu stellen.

Das Festival endete in der zweiten Oktoberhälfte gerade noch vor dem erneuten Lockdown. Glück gehabt!

In diesem Jahr war alles anders. Erst eine Woche vor Veranstaltungsbeginn war klar, dass es bei der diesjährigen Ausgabe des JazzFests Berlin kein Publikum geben würde.

2020 hat Corona die Kulturszene ordentlich geschüttelt. Fast alle Konzerte und Festivals wurden abgesagt. Estland hat sich getraut und die Tallinn Music Week aus der Lockdown-Zeit auf Ende August verschoben.