Jazzdor – Straßburg

powered by JAZZTHETIK – Mitte November wurden beim Festival Jazzdor in kleinen und großen Sälen Straßburgs wieder zwei Wochen lang Jazzkonzerte gezeigt, die sich gewaschen hatten.

Jazz Inbetween – Münster

powered by JAZZTHETIK – Es ist schon fast eine Litanei. Jazzfestival Münster? Ausverkauft. Ein liebgewordenes Ritual Jahr für Jahr; es ist am Ende fast unmöglich, nicht zu lobhudeln, während Fritz Schmücker sich schelmisch darauf freut, allen an seinem ausverkauften Haus Beteiligten zu danken

3 Tage Jazz – Saalfelden

powered by JAZZTHETIK – „Wer von euch war heute Ski fahren?“, fragt Johannes Dickbauer ins Auditorium. Erstaunlich viele Hände im Saalfeldener Kunsthaus Nexus gehen nach oben. „Dann seid ihr jetzt also beim Kultur-Après-Ski.“

Live: Jazz Happening – Tampere

2017 erhielt das Tampere Jazz Happening den EJN Award für „Adventurous Programming“. Zu Recht, denn Juhamatti Kauppinen gestaltete das TJH auch in diesem Jahr wieder abenteuerlich vielfältig.

Von Jan Kobrzinowski

Nik Bärtsch © Maarit Kytöharju

Nik Bärtsch © Maarit Kytöharju

Es begann mit einem Fokus auf die estnische Jazzszene mit drei sehr unterschiedlichen Acts: dem Kirke Karja Quartet mit klassisch beeinflusstem Nordic Jazz, Sängerin/Pianistin Kadri Voorand im Duo mit Mihkel Mälgand am Kontrabass, und als Showdown Heavy Beauty mit dem charismatischen Liudas Mockunas am Bass-Saxofon.

Im Klubi trumpften das großartig außerirdische Power-Trio The Comet is Coming sowie Jojo Mayers fabelhafter Echtzeit-Trance-Drum & Bass-Rock-Act Nerve auf. Finnlands wichtigsten Jazzpreis, den YRJÖ-Award, gewann Verneri Pohjola (tp). Im Duo mit Mika Kallio (dr) gab er eine Lehrstunde sensibler musikalischer Interaktion. Shabaka Hutchings’ Saxofon mit dramatischem Stakkato und Passagen coltranesker Innerlichkeit gehört inzwischen zu den führenden Stimmen des europäischen Jazz. Spoken Words und Gesang von Siyabonga Mthembu erinnerten an Gil Scott-Heron. Kurz danach passierte quasi das Gegenteil: Steve Coleman & Five Elements besiegten die Poesie mit der Kraft der Mathematik und zeigten, zwar gewohnt virtuos, aber sehr verschlüsselt, einen Rückgriff auf ihre eigene Geschichte.

Im Telekka präsentierte sich die vielversprechende finnische Mini-Bigband Njet Njet 9 mit schönen Sounds, frischem Bläsersatz und interessanten Arrangements. Afro-Beat-Groove-Jazz-Meister Tony Allens Tribute to Art Blakey glückte die Hommage mit einer brillanten Band. Jazz-Messengers-Standards im afrikanischen Dress hätten dem legendären Idol sicher gefallen. Samuel Blaser (tb) rekonstruierte mit Early in the Morning uralten Blues mittels freier Spielweise, mit dem Free-Veteranen Oliver Lake als Gast. Das Quartett des französischen Trompeters Erik Truffaz paddelte durch den Mainstream der semi-elektrischen Fusion. Melodic Jazz mit grooviger Rhythm Section. Evan Parkers furchtloses Free-Projekt The Fifth Man zeigte statt ungezähmter Kollektivimprovisation ein konzentriert sensibles Drei-Gespräch, flankiert von zwei Spezialisten der elektronischen Manipulation (Matt Wright und Walter Prati). John Russell entlockte seiner alten Blues-Gitarre unglaubliche Sounds, Parker agierte mit souveränem Sopran-Ton, und John Edwards (b) transzendierte aufs Neue die Grenzen seines Instruments. Trails of Souls mit Knut Reiersrud (g), Solveig Slettahjell (voc) und In the Country betrieben die norwegische Exegese des Country Jazz: Americana-Klänge à la Frisell, knietief im Blues. Thomas de Pourquery’s Supersonic erreichten mit drei Bläsern und hymnischen Songs eine große emotionale Verbindung mit dem Publikum.

Heavy Beauty © Maarit Kytöharju

Heavy Beauty © Maarit Kytöharju

Das junge finnische Trio Virta verwandelte Telekka mit beeindruckend lautem Drum-Beat-Jazz in eine flimmernde Club-Location.

Nik Bärtsch’s Mobiles Welt der minimalen Patterns ist immer wieder spannend; das geschmackvolle Licht im Pakkahuone unterstützte die hypnotische Reise. Dann ein weiteres, ganz anderes Groove-Erlebnis: New Zion & Hamid Drake beschworen die Geister Jamaikas. Jamie Saft wechselte zwischen Klavier, Rhodes und Orgel, Bassist Brad Jones steuerte jazzige Soli bei, und Hamid Drake stellte seine Drummer-Fähigkeiten voll in den Dienst von Dub und Reggae. Dhafer Youssefs West-Östlicher Diwan geriet zu einem Fest. Seine Kommunikation mit den Musikern, vor allem mit Schlagzeuger Justin Faulkner, war superb. Der Funke sprang über. Zum guten Schluss noch ein Highlight: die akustische Performance von Lucia Cadotschs Speak Low mit warmen, raffinierten und berührenden Interpretationen von altbekanntem Jazz-, Blues- und Standardmaterial. Die Ideen und Arrangements von Petter Eldh (b) und Otis Sansjö (ts) waren zwingend und zu keiner Zeit vorhersehbar.