Komplexes ist schwierig zu handhaben, so auch die Welt des Jazz, gerade wenn diese mehr mediale Zuwendung erhält als gewohnt. So geschehen in Bremen am Vorabend der diesjährigen jazzahead!

Innovative Musik“ hat sich das neue Magnet-Festival im Kulturpark am Wiesbadener Schlachthof zum Programm gemacht.

Grenzüberschreitungen sind dem Jazz nicht fremd – in gewisser Weise sind sie sogar elementarer Bestandteil der musikalischen DNA und die Grundlage für so manche Mutation. Und doch gelang es dem Jazzfest Bonn eindrucksvoll, diesem Begriff neue Facetten hinzuzufügen und ihn vielleicht nicht neu, aber doch anders zu denken.

Seit 35 Jahren ist das Jazzfest Gronau eine Aufforderung, sich auf verschiedene Genres einzulassen. So gaben sich auch in diesem Jahr an acht Tagen verschiedenste Musikhörer ein Stelldichein.

Eine Operninszenierung, sagt man, benötigt etwa drei Jahre Vorlauf, ein Jazzfestival vielleicht nicht ganz so viel. Gleichwohl ging Jazz in E. in diesem Jahr auf Nummer sicher.

Was dieses Jazzfestival in Estland so besonders macht, werde ich oft gefragt. Die Jazzkaar in Tallinn, traditionell in der letzten Aprilwoche, hat alles, was ein gutes Festival ausmacht.

Freitagnacht, jazzahead! 2023 – die Kesselhalle des Bremer Schlachthofs ist bis unters Dach besetzt, die Stimmung elektrisiert. Saxofonist Daniel Erdmann, groß, graue Haare, schwarzer Anzug, erinnert nicht nur optisch ein wenig an Nick Cave; würde der düstere Australier Jazz machen, könnte er genau so klingen.

Mit Like a Jazz Machine hat das regionale Kulturzentrum Opderschmelz in Dudelange 2012 ein internationales Jazzfestival installiert und sich damit zu Luxemburgs Jazz-Hauptstadt gemacht.

Dass der Nachwuchs – zumindest musikalisch – schon frühzeitig für den Mainstream verloren ist, dafür sorgt das Essener JOE-Festival: Eine bunte Schar angehender Musikfans im zarten Alter ab vier Jahren stürzte sich mit Xylofonen, Geigenbögen und diversen Perkussionsinstrumenten in den Klangstrom von drei Musikern des Kölner Impro-Kollektivs Unsub Tül. Dabei gab es nur eine Vorgabe: Freiräume erkunden.

Taktlos, das Festival für grenzüberschreitende Musik in Zürich, garantiert seit 1984 musikalische Erlebnisse, die herausfordern, beglücken, irritieren.

Ihr Gesicht prangte auch auf einer sonst schmucklosen Hauswand auf dem Weg zur Altstadt mit der „weltlängsten Burg“. Auf die Bühne in der Wackerhalle trat die afroamerikanische Altsaxofonistin Lakecia Benjamin im goldglänzenden Anzug und mit knallig-eckiger Brille.

Emsdetten ist eine Kleinstadt im Münsterland mit einem dieser rührigen Kulturvereine mit ihren ehrenamtlichen Betreibern und meist jungen freiwilligen Helfern. Bei den Jazztagen dankte man den lokalen Sponsoren, ohne die das alles seit Jahren nicht möglich gewesen wäre, und einem treuen Publikum, das an großen runden Tischen saß.